Predigten

Hier finden Sie die Predigten aus unseren Gottesdiensten.

Okuli 2023: Lebendiges Wasser.

Ein kluger Mann. Eine durstige Frau. Ein blinder Bettler. Eine trauernde Schwester. In jeder Lesung geht es um einen bestimmten Menschen, dem Jesus begegnet ist. Jeder Einzelne wurde verändert. Sie lebten in Zeiten und an Orten, die weit von unseren entfernt sind, und doch haben wir viel mit ihnen gemeinsam. Wir sind klug. Wir sind durstig. Wir sind in vielen Dingen blind. Wir trauern.

Der Text dieser Woche dreht sich um die durstige Frau, die Samariterin am Jakobsbrunnen. Sie kam zum Brunnen, weil sie Durst hatte. Deswegen war sie mit ihrem Krug und einen ledernen Schöpfeimer unterwegs, um Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen. Aber das war noch nicht alles. Ihr Gespräch mit Jesus zeigte, dass ihr Durst über ihre körperlichen Bedürfnisse hinausging und sie auch bleibende, ewige Bedürfnisse hatte.

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Reminiszere 2023: Geboren aus Wasser und Geist

Nikodemus kommt im Schutz der Dunkelheit zu Jesus. Er ist beeindruckt von dem, was er von Jesus gesehen hat. „Niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“ Davon wird er angezogen. Er kommt zu Jesus und wünscht sich, dass sein Leben von Jesus bestätigt wird. Er sucht nach Bestätigung, nicht nach Vergebung.

Nikodemus ist ein frommer Mann aus dem Kreis der Pharisäer, ein Vorsteher der Juden. Er ist ein aufrechter Mann mit einem guten Ruf vor dem Volk. Aber Jesus will nichts davon hören, nicht von Nikodemus und nicht von dir oder mir. Jesus bringt Nikodemus erst einmal zu Fall, denn seine hohen und erhabenen Gedanken über sich selbst müssen zerschlagen werden und verschwinden.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Von neuem geboren zu werden, geboren aus Wasser und Geist, bedeutet, wie ein Kind zu werden, ein Kleinkind, sogar ein Säugling. D. h. alles aufzugeben, was man sich selbst aufgebaut hat, und sich allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus zu klammern. Der Aufruf Jesu zur Neugeburt ist also ein Aufruf zur Buße und zum Glauben, zum Tod und zur Auferstehung, zum Verlassen des Alten und zur Neuwerdung, zur Wiedergeburt, ja zur Bekehrung.

„Aber wie kann das sein?“ Wir können die Verwirrung des Nikodemus beinahe spüren und auch die unseres eigenen Menschen. Jesus hat ihn und uns mit Adams Fluch konfrontiert. Es ist, als würde Jesus ihm genau in diesem Augenblick etwas Erde die Stirn zeichnen.

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Invokavit 2023: Die erste Schlacht des Heilands mit dem Erzfeind.

Unser heutiger Predigttext schließt sich unmittelbar an die Taufe Jesu an. Mit reichlich dreißig Jahren war Jesus aus Nazareth weggegangen, um sein öffentliches Wirken zu beginnen. Sein erster Weg führte ihn an den Jordan. Dort ließ er sich taufen und trat dadurch an unsere Seite, um uns zu erlösen. Die öffentliche Erscheinung der anderen beiden Personen der Dreieinigkeit macht das deutlich. Der Heilige Geist erschien in Form einer Taube und Gott der Vater sprach vom Himmel zu seinem Sohn:

„Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Gott zeigt seine Freude über seinen Sohn, der auf ihn hört, der ihn liebt und die gefallene Schöpfung erlöst. Unmittelbar im Anschluss an die Taufe berichtet uns Matthäus von der Versuchung Jesu durch den Teufel, die wir heute gemeinsam betrachten wollen: Die erste Schlacht des Heilands mit dem Erzfeind.

1. Wir standen auf dem Spiel.

2. Versuchung ist die Angriffswaffe.

3. Gottes Wort ist die Siegeswaffe.

4. Die Siegesbeute gehört uns.

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Quinquagesimä – „50 Tage vor Ostern“ 2023: „Eine Gerechtigkeit, die nicht funktioniert und eine, die funktioniert.“

Manche Bibelverse bilden eine Art Brücke, einen Übergang zwischen zwei Abschnitten im Text. Man kann sie sowohl zur einen als auch zum anderen Abschnitt nehmen und es passt. Das gilt auch für den Vers, der direkt vor unserem Predigttext steht. Dort sagt Jesus:

Mt 5,20: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“

Diese Worte könnten auch der Anfang unseres Textes sein. Denn heute wird Jesus Beispiele für die vermeintliche Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer geben – eine oberflächliche Gerechtigkeit, die dich nicht ins Himmelreich bringen wird – damit wir bereit sind, die einzige Gerechtigkeit zu empfangen, die uns hineinbringt. Und so lautet unser Thema heute Morgen: „Eine Gerechtigkeit, die nicht funktioniert und eine, die funktioniert“.

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Sexagesimä – „60 Tage vor Ostern“ 2023: „Seht das Licht, seid das Licht!“

Vor Kurzem, in der Epiphaniaszeit, haben wir die folgenden Worte aus dem 4. Kapitel des Matthäusevangeliums gehört:

Mt 4,16: „Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“

Das große Licht, das sie sahen, das Licht, das ihnen aufgegangen war, war Jesus, als er seinen Dienst des Predigens, Lehrens, Heilens und Sammelns von Jüngern begann. Jesus Christus ist das Licht, das in der Finsternis leuchtet. Wie er später selbst sagte:

Joh 8,12: „Ich bin das Licht der Welt.“

In unserem heutigen Predigttext sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Was stimmt nun? Ist Jesus das Licht der Welt oder sind wir, seine Jünger, das Licht der Welt? In solchen Fällen lautet die Antwort, wie so oft: „Ja, beides“. Jesus ist das Licht der Welt. Und wir, seine Jünger, sind auch das Licht der Welt. Aber immer in der richtigen Reihenfolge. Zuallererst ist Jesus selbst das Licht. Und erst in zweiter Linie sind wir das Licht der Welt. Und so lautet unser Thema heute Morgen: „Seht das Licht, seid das Licht!“.

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Septuagesimä – „70 Tage vor Ostern“ 2023: Dein sehr großer Lohn.

Als unser Herr die Menschenmenge sieht, setzt er sich auf den Berg. Wie Mose vor langer Zeit ist unser Erlöser gekommen, um zu lehren, damit sie hören und glauben, dass Gott ihre Not gesehen, ihre Schreie gehört und ihre ewige Erlösung durch das Opfer seines Sohnes gewollt hat. Und es ist nicht der Berg Sinai, auf dem der Heiland sitzt. Das Gesetz kam durch Mose, aber die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus gekommen.

Der Erlöser fängt an, seine Jünger zu lehren. Die Worte, die wir heute Morgen hören, sind die sogenannten Seligpreisungen. Diese Worte sind nur die Einleitung zur Bergpredigt Jesu, einer Predigt, die drei ganze Kapitel lang ist. Um die Bergpredigt zu verstehen, muss man die Seligpreisungen kennen. Denn hier klingt der Sohn Davids wie König David. Der hatte geschrieben:

„Selig ist der Mann, der Lust hat am Gesetz des HERRN!“ (Ps 1).

Ja, selig ist der, der Freude an Gottes Tora, seiner Unterweisung, seinem Gesetz und seinem Evangelium hat. Eine solche Seligkeit wünscht sich der Erlöser für dich. Deshalb öffnet er seinen Mund, um zu lehren. Deshalb haben wir uns heute Mor-gen versammelt, um zu hören.

Die Welt lehnt die Seligpreisungen Christi als Schwäche und unpraktisch ab. Solche Worte wer-den wir nie in der Rede eines Politikers hören oder bei unseren Politikern entdecken. In den Augen der Welt ist keine der Seligpreisungen Christi groß und sie werden auch niemanden in den Augen der Welt groß machen. Die Welt strebt mehr nach Größe als nach Rechtschaffenheit. Die Welt will Macht, hungert nach körperlichen Freuden, dürstet nach Ruhm, will Rache und prahlt mit ihrem Dreck. Die Welt versteht die Seligpreisungen nicht und damit auch nicht die Bergpredigt, weil sie Jesus nicht versteht.

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Letzter Sonntag nach Epiphanias 2023: Jesus wird für uns verklärt.

„Was für ein Text! Das ist doch mal ein Text ganz nach unserem Geschmack!“ könnten oder wollen wir vielleicht ausrufen. Ist das nicht genau das, was wir uns erhoffen? Jesus zeigt sich in seiner ganzen Herrlichkeit! Hier muss doch jeder erkennen, dass Jesus mehr ist als ein großer Lehrer, dem man zuhören sollte. Hier wird doch zweifelsfrei erkennbar, dass er Gottes eigener Sohn, dass er selbst Gott ist, in aller Macht und Herrlichkeit. Wir können es an ihm selbst sehen, sein Gesicht verändert sich und seine Kleidung leuchtet in überirdischem Licht. Dazu erscheinen die zwei größten Propheten des Alten Testaments – Mose und Elia – um mit ihm zu reden. Durch ihre Anwesenheit bezeugen sie seine Herrlichkeit.

Doch – wie so oft mit Gottes Wort – lohnt sich ein zweiter, genauerer Blick. Er zeigt uns eine ganz andere, aber deswegen nicht weniger herrliche und umso tröstlichere Botschaft. Vorher hat Jesus ein Art Umfrage unter seinen Jünger veranstaltet. Sie sollten ihm sagen, für wen die anderen Leute ihn hielten. Der Höhepunkt ist dann das Bekenntnis des Apostels Petrus, als Sprecher aller zwölf Jünger, dass Jesus der Christus Gottes (V. 20), der verheißene Messias und Retter sei. Doch die Vorstellungen der Zwölf sind noch unvollkommen, gefärbt von den Vorstellungen ihrer Zeit. Dort wurden vor allem die Verheißungen eines herrlichen Königs gesehen, der alle Feinde Gottes besiegen und wegfegen würde.

Und so schließt Jesus die erste von mehreren Leidensankündigungen an, wo er seinen Jüngern sein Ziel deutlich darstellt (V. 22):

„Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferstehen.“

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3. Sonntag nach Epiphanias 2023: „Gemeinsam im Licht unterwegs.“

„Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“ So weissagte Jesaja, etwa siebenhundert Jahre vor Christus. Als Christus dann auf den Plan trat und sein Amt übernahm, wurde diese Prophezeiung erfüllt, wie Matthäus berichtet:

„Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“

Wer waren die Menschen, denen das Licht aufgegangen ist? Sicherlich waren es die Menschen in Galiläa, die Zeuge von Christi Wirken, seinen Heilungen, seiner Predigt und seiner Lehre wurden. Als Christus in seinen Worten und Taten aufleuchtete, schien das Licht sicherlich auch auf sie. Aber sie sind nicht die Einzigen. Denn das Licht Christi scheint auch auf uns. Heute wollen wir herausfinden, was das für unser Leben als Christen und für unser Zusammenleben als Gemeinde bedeutet. Deshalb ist unser Thema heute Morgen: „Gemeinsam im Licht unterwegs sein“.

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2. Sonntag nach Epiphanias 2023: „Komm und sieh den Sohn Gottes!“

„Wer ist Jesus?“ diese Frage spaltete die Juden vor beinahe 2.000 Jahren und sie bewegt Menschen bis heute. „Wer ist Jesus?“ Ein weiser Lehrer, ein großer Mensch, der erste Kommunist, ein verschrobener Religionsgründer? Die Antworten sind bis heute so unterschiedlich, wie die Menschen, die sie geben.

Die Epiphaniaszeit dient dazu, uns zu zeigen, wer Jesus Christus ist. Wir wollen sehen und erkennen, wer er ist. – Im ersten Kapitel seines Evangeliums schreibt der Apostel Johannes:

Joh 1,14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Diese Herrlichkeit betrachten wir in der Epiphaniaszeit. Wir dürfen einen Blick hinter die Kulissen werfen. Wir dürfen erkennen, wer Jesus Christus wirklich ist. Wir wollen uns die Worte Philippus, die er an Nathanael richtet, als Thema für diesen Text aneignen und heute gemeinsam betrachten: „Komm und sieh den Sohn Gottes!“

1. Er erfüllt die Schrift.

2. Er erkennt unser Herz.

3. Er öffnet uns den Himmel.

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1. Sonntag nach Epiphanias 2023: „Jesu Taufe erfüllt das Alte Testament.“

Es gibt „zweideutige“ Aussage und das meine ich ganz positiv. Es gibt z. B. Worte mit einer zweifachen Bedeutung, etwa die Bank. Zu der kann ich mein Geld bringen, damit sie es anlegt oder auf einem Konto bzw. in einem Schließfach verwahrt oder ich kann auf ihr sitzen, wenn sie in einem Park oder in meinem Garten steht.

Ähnliches gilt auch für Redewendungen, z. B. „Das Leben in vollen Zügen genießen.“ Man kann das wörtlich nehmen, von einem, der am liebsten in Zügen durch Deutschland oder Europa unterwegs ist, die voller Menschen sind. Meistens aber wird es im übertragenen Sinn gebraucht, von einem, der Spaß am Leben hat und es in allen Einzelheiten genießt.

Dinge, die sich unter der Oberfläche befinden, wie ein Hai unter der Wasseroberfläche des Ozeans; Worte, die oberflächlich betrachtet etwas Einfaches zeigen und sagen, aber doch durch ihre Auswahl und Stellung andeuten, dass hier mehr vor sich geht, als wir auf den ersten Blick erkennen können. Was tun wir, wenn wir so etwas bemerken? Wir stellen bohrende Fragen. Wir lesen zwischen den Zeilen. Wir kratzen an der Oberfläche, um zu sehen, was sich darunter verbirgt.

Etwas Ähnliches gab es schon zu Zeiten des Neuen Testaments. Papyrus oder Pergament als Schriftrolle verwendet, war teuer und schwer zu bekommen. Deshalb wurden Schriftrollen oft wiederverwendet. Die alte Tinte wurde abgekratzt und etwas Neues darübergeschrieben, ein bisschen wie bei modernen Tätowierungen, über die eine neue Tätowierung gestochen wird, weil sie dem Besitzer nicht mehr gefällt, nur viel offensichtlicher. Wenn man genau hinsieht, kannst man die schwache Originalschrift immer noch unter der neuen Tinte lesen, die immer noch auf der Schriftrolle klebt. Diese wiederverwendeten Schriftrollen nennt man Palimpseste (wörtlich: „wiedergeschabte“ Seiten).

Der Bericht von der Taufe Jesu ist so eine Art wiederverwendetes Pergamentstück. In diesem Bericht gibt es eine „Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit“, wie den oben genannten Hai, der unsichtbar unterwegs und nur an kleinen Dingen, wie etwa sich kräuselnden Wellen, zu erkennen ist.

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