Sermons on “Lukasevangelium”

Erntedankfest 2019

Es gibt viele Dinge, für die wir Gott dankbar sein können. Wir alle erinnern uns an die zwei langen Listen, die Luther im kleinen Katechismus aufzählt, wenn er den 1. Artikel und die vierte Bitte des Vaterunsers erklärt: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Frau und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne alle mein Verdienst und Würdigkeit. Für das alles ich ihm zu danken … schuldig bin.“

„Gott gibt tägliches Brot zwar auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er’s uns erkennen lasse und mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot. Was heißt denn »tägliches Brot«? Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gutes Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, treue Nachbarn und dergleichen.“

Auch die Gaben, die wir zum heutigen Erntedankfest hier vorn in der Kirche aufgestellt haben, wollen uns daran erinnern, dass wir dankbar sein können, denn sie sind ja nur ein kleiner Ausschnitt all der Dinge, die Gott uns geschenkt hat, eine sichtbare Erinnerungshilfe für das, was Luther im Katechismus aufzählt, was wir oft als selbstverständlich hinnehmen und für das wir doch danken wollen.

Unser heutiger Predigttext zeigt uns noch etwas, für das wir Gott danken können und macht uns damit dankbar. Wir wollen diesen Text unter folgendes Thema stellen: Danke, dass du dankbar bist.

1. Sagt ein gebender Heiland.
2. Hört ein geheiltes Volk.
3. Lebt eine dankbare Kirche.

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14. Sonntag nach Trinitatis

Im Hebräerbrief stehen die Worte: „Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“ (Hebr 9,27). Jeder Geburtstag bringt uns dem Tag unseres Todes einen Schritt näher. Und schließlich verlischt unser Lebenslicht, wenn wir unseren letzten Atemzug tun. Es ist der Punkt ohne Wiederkehr. Aber eigentlich ist er kein Punkt, der Tod, meine ich, denn Tag für Tag, Stunde um Stunde, Augenblick für Augenblick sterben wir ständig oder Stück für Stück.

Selbst eine kleine Erkältung erinnert uns daran, dass unser sterblicher Leib eines Tages kalt in der Erde liegen wird. Die Tage unseres Lebens – sie zählen 70 Jahre oder manchmal auch 80 Jahre – und wir kennen den ein oder anderen, dem ein noch längeres Leben geschenkt wurde. Aber wir wissen auch, wie diese Worte Moses weitergehen:

Ps 90,10: „…und wenn es köstlich gewesen ist, dann ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es eilt schnell dahin, als flögen wir davon.“

Die Tage unseres Lebens, sie vergehen wie im Flug. Wir fliegen zum Richterstuhl Gottes. Dort müssen wir vor dem Einen erscheinen, der alles weiß, vor dem nichts verborgen ist: keine Tat, auch wenn wir ganz allein waren, als wir sie begangen haben; kein Wort, auch wenn kein menschliches Ohr es gehört hat; ja, nicht einmal die Gedanken, die wir sorgfältig vor anderen Menschen verbergen. Unser ganzes Leben liegt wie ein aufgeschlagenes Buch vor dem, der alles weiß. Meinen wir wirklich, dass wir vor ihm irgendetwas verbergen könnten?

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13. Sonntag nach Trinitatis 2019

Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums erzählt Jesus gegenüber den Pharisäern und Schriftgelehrten drei Gleichnisse über jemand oder etwas, das verloren geht. Zwei davon haben wir gerade gehört. Es sind die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und dann das Gleichnis, das wir als Gleichnis vom verlorenen Sohn kennen. Alle drei dieser Gleichnisse haben ein gemeinsames Thema, etwas, das sie uns beibringen und lehren wollen: Es geht um das Thema Buße.

Im ersten Gleichnis ist es eines von neunundneunzig Schafen, das „Buße tat“ und im zweiten Gleichnis ist der eine Silbergroschen der bußfertige, wie Jesus uns sagt:

V. 10: „So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“

Zuerst wollen wir gemeinsam betrachten, was das eigentlich heißt „Buße tun“, denn es ist ein wenig geläufiger Ausdruck. Am häufigsten wird er noch in der Kirche verwendet. Aber wissen wir eigentlich, was wir meinen, wenn wir davon reden, dass wir „Buße tun“ oder „Buße tun sollen“? In unserem Alltag kennen wir das Wort am ehesten vom „Bußgeld“, also eine Strafe, die bezahlen müssen, wenn wir falsch geparkt haben oder zu schnell gefahren sind. Große Firmen zahlen Bußgelder, wenn sie sich im Wettbewerb oder im Umgang mit ihren Kunden nicht an die Regeln gehalten haben und dabei erwischt wurden.

Ist das die Buße, von der Jesus redet? Ist das die Buße, um die es in der Heiligen Schrift geht, zu der wir aufgerufen sind?

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12. Sonntag nach Trinitatis 2019

Was war euer erster Gedanke als ihr diesen Text gehört habt? Was habt ihr gedacht, als Jesus zu euch gesagt hat: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.“? Wow! Sollte Jesus wirklich gesagt haben…? Der zweite Wow-Moment unseres Textes folgt unmittelbar auf dem Fuß, nur dass er für uns heute weitgehend „unsichtbar“ geworden ist. Wenn wir das Wort „Kreuz“ hören, dann denken wir wohl am ehesten an das Schmuckstück, das jemand trägt, oder das Kreuz auf dem Altar oder auf dem Kirchturm.

Jesu Zuhörer wussten genau, was es bedeutet ein Kreuz zu tragen. Wir dagegen haben es niemals miterlebt oder gesehen. Da trägt einer ein Holzkreuz oder mindestens den oberen Querbalken zu dem Ort, an dem er sterben wird! Jesus wendet sich an eine große Menschenmenge, die mit ihm geht, aber noch nicht zu seinen Jüngern gehört. Es scheint wohl so, dass sich viele mit dem Gedanken trugen, zu Jesu Jüngern zu werden. Ihnen macht er deutlich, was es heißt, ein Jünger oder Schüler des Herrn zu sein. Es ist eine seiner Aussagen, die wir nur schwer akzeptieren könne, die uns aufschrecken, ja sogar verstören. Es wie an anderer Stelle, wo Jesus uns dazu auffordert ein Auge auszureißen oder eine Hand abzuhauen. Haben wir Jesus richtig verstanden; hat er das wirklich gerade gesagt?

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11. Sonntag nach Trinitatis 2019

Wir alle kennen Sprichworte wie „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ Oder: „Manchmal sagt Schweigen mehr als tausend Worte.“ Bei einem geht es darum, dass oft besser ist, erst einmal den Mund zu halten, zuzuhören und seine Unwissenheit sofort hinauszuposaunen. Es geht darum nachzudenken, ehe man eine Antwort gibt. Das andere Sprichwort beschäftigt sich damit, dass auch Schweigen lauter und deutlicher reden kann als viele Worte. Schweigen kann ein Schuldeingeständnis sein, aber auch eine Liebeserklärung oder Zustimmung, je nachdem was mein Gegenüber zu mir sagt. Nur, weil mir die Worte fehlen, heißt das noch lange nicht, dass ich etwas zu sagen haben.

Ein solches Schweigen finden wir auch in unserem heutigen Predigttext. Beim ersten Lesen scheint es sich hier um eine Aneinanderreihung verschiedener Schlaglichter aus dem Dienst unseres Herrn Jesus zu handeln. Da finden wir eine Heilung (V. 1-6), ein Gleichnis (V. 7-11) und dann geht es darum, wie man sich gegenüber armen und verachteten Menschen verhalten soll (V. 12-14). Doch wenn wir uns diesen Text etwas genauer betrachten, können wir erkennen, dass all das bei einem einzigen Anlass geschah. Jesus war am Sabbath in das Haus eines Pharisäers zum Essen eingeladen worden. Der Text beginnt mit einem Hinweis auf ein Mahl am Sabbath im Haus eines Obersten der Pharisäer und erst im V. 25 verlassen wir diesen Anlass wieder.

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1. Sonntag nach Ostern: Quasimodogeniti – „Wie die neugeborenen Kinder“ 2019

Vielleicht habt ihr irgendwann in eurem Leben, vielleicht als ihr noch Kinder wart, einmal ein Kartenhaus gebaut. Die unterste Lage aus Karten bildet das Fundament. Und die ganze Sache macht Spaß. Ein Kartenhaus zu bauen ist eine echte Herausforderung. Denn natürlich willst du sehen, wie hoch du dieses Haus letztlich bauen kannst. Natürlich jede neue Lage, wie sie aufgebaut ist, wie stabil sie ist, ein wichtiger Teil des ganzen Gebäudes. Aber wenn das Fundament wackelt, wenn es sich bewegt oder wenn es sogar einstürzt, dann stürzt alles zusammen wie – nun eben wie ein Kartenhaus.

Wenn dein Kartenhaus einstürzt, dann bist du vielleicht enttäuscht. Vielleicht willst du auch einfach nur noch aufgeben und packst deine Karten wieder zusammen. Doch nachdem die erste Enttäuschung abgeklungen ist, ist es letztlich keine große Sache – so lange du nur mit Karten arbeitest.

Doch was, wenn es um mehr geht, wenn du mit mehr arbeitest?

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6. Sonntag in der Passionszeit: Palmarum – Palmsonntag 2019

Wieder stehen wir am Anfang einer Karwoche, der Woche, die das Osterfest einleitet. Wieder stehen wir, in Gedanken, mit den Augen des Glaubens in der Menschenmenge und sehen, wie Jesus durch das Tal nach Jerusalem reitet. Wir sehen und hören durch den Heiligen Geist aus Gottes Wort, was geschieht, was gesagt wird. Und wir wollen uns fragen, was dieser Text für uns, unser Leben als Christen, als Kinder Gottes in dieser Welt bedeutet. Wir wollen heute versuchen, gemeinsam die folgende Frage zu beantworten: Welchen Jesus wollen wir haben?

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