Sermons on “Lukasevangelium”

4. Sonntag nach Epiphanias 2019

Was meinen wir, wenn wir sagen: „Heute ist ein ganz normaler Tag?“ bzw. wenn wir von unserem „Alltag“ reden? Das klingt nach Langeweile, Alltagstrott, sich wiederholenden Ereignissen und Pflichten. Das klingt wenig interessant, wenig aufregend. Und ja, es gibt sicherlich aufregender Texte in der Bibel als den, den wir gerade gehört haben: Mose, der das Meer teilt; Simson, der Tempel zum Einsturz bringt; Prophetendiener, die das himmlische Heer sehen dürfen, dass die gewaltige Armee der Feinde, die vor einer scheinbar wehrlosen Stadt liegen, besiegt; Engel, die Hirten terrorisieren oder weise Männer, die sich in der Wüste verirren und feurige Zungen, die vom Himmel auf die Köpfe von Menschen fallen.

Was uns unser Predigttext verkündigt ist einfach nur ein ganz gewöhnlicher Tag im Leben des Jesus von Nazareth. Es ist ein Tag wie jeder andere auch: eine Synagoge in der zu predigen ist, etwas lehren, ein paar kranke Menschen besuchen, Kranke heilen. Am nächsten Morgen versuchte er, etwas Zeit für sich zu haben. Aber das war nicht möglich, denn die Menschen folgten ihm bis in die Wüste. Vielleicht wisst ihr, wie das ist: irgendjemand will immer irgendetwas von einem, besonders an den Tagen, an denen man auf der Suche nach etwas Ruhe und Einsamkeit ist.

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3. Sonntag nach Epiphanias 2019

Unser heutiger Predigttext erinnert uns daran, dass Jesus auch ein Prediger war. Er heilte, wirkte Wunder, rettete aus Gefahr und vergab Sünden. Doch hier, unmittelbar am Anschluss an seine Taufe und die vierzig Tage in der Wüste beginnt er seine öffentliche Wirksamkeit in Galiläa in seiner Heimatstadt Nazareth, bei den Menschen, unter denen er die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbracht hatte. Und wir sehen auch die gemischten Reaktionen auf diese Predigt und ihre Ausführungen.

So kommt Jesus bis heute zu uns und in unser Leben, durch die Predigt, die Verkündigung seines Wortes. Jeden Sonntag, wenn der Pastor seinen Mund aufmacht, redet Jesus zu uns. Denn es ist sein Wort, seine Botschaft über seine Person und sein Werk als Gottes Sohn und unser Heiland, die verkündigt wird. Der Pastor steht im Auftrag Gottes vor euch. Genauso ist es aber auch, wenn wir selber allein oder im Familienkreis Gottes Wort hören oder lesen, wenn wir zusammen Andachten oder Bibelarbeiten halten. Dort öffnet Jesus seinen Mund und predigt uns und der Inhalt seiner Predigt, ist letztlich wie in Nazareth. Lasst uns diese Predigt heute gemeinsam hören. Jesus predigt in der Synagoge in Nazareth.

1. Er offenbart sich als den verheißenen Retter.

2. Er zeigt das Ziel seines Kommens.

3. Er geht den schweren Weg zu unserer Erlösung.

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1. Sonntag nach Epiphanias 2019

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr den ersten Teil unseres Predigttextes hört, aber wenn ich genauer auf seine Worte höre, muss ich feststellen: Ich glaube, ich mag Johannes den Täufer nicht besonders. Es ist nicht seine eigenartige Kleidung aus Kamelhaaren mit einem Ledergürtel oder seine merkwürdige Diät aus Heuschrecken und wildem Honig, die mich abstößt. Ich kenne viele Leute, die eigenartige Kleidung tragen und noch viel eigenartigere Dinge essen. Nein, es ist vielmehr die Tatsache, dass Johannes mich mit Feuer bedroht, derentwegen ich Johannes lieber meiden würde. Er redet von Gottes Zorn, der wie ein heißes, unauslöschliches Feuer brennt und der Grund für diesen Zorn bin ich – ich, mit meinem Leben.
Dabei hat die Christenheit, vor allen Dingen hier im Westen, die letzten zwei bis drei Jahrhunderte alles getan, um das Thema des zornigen Gottes zu vermeiden oder doch zumindest abzuschwächen. Johannes predigt:

„In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“

Wenn er solche Worte sagt, dann wird immer wieder schnell versucht auf seine Liebe zu verweisen: Gott liebt alle Menschen!“ Oder: „Gott hasst zwar die Sünde, aber er liebt den Sünder!“ usw. Man hat alles in seiner Macht Stehende getan, um die Botschaft vom zornigen Gott abzuschwächen. Schließlich leben wir nicht mehr im finsterste Mittelalter. Es besteht also kein Grund mehr, die Menschen mit der Botschaft vom zornigen Gott zu erschrecken oder gar einzuschüchtern.

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