Sermons on “Matthäusevangelium”

Karfreitag – Der Todestag des Herrn – 2020: Jesus von Nazareth oder Jesus Barabbas? Für wen entscheidest du dich?

Wir treffen jeden Tag unzählige Entscheidungen: Aufstehen oder Liegenbleiben, wenn der Wecker klingelt; Milch, Tee oder Kaffee zum Frühstück; Bus und Bahn oder Auto zum Weg auf Arbeit; Heiraten oder einfach so zusammenleben, ein T-Shirt oder doch lieber ein Pullover. Angefangen bei alltäglichen Kleinigkeiten bis hin zu Dingen, die uns ein Leben lang begleiten, treffen wir täglich unzählige Entscheidungen.

Zu allen Zeiten haben Menschen diese Alltagserfahrung auch auf den Glauben, auf ihre Beziehung zu Gott übertragen. Sie meinten – und meinen bis heute – dass wir uns für oder gegen Gott entscheiden können, so einfach wir uns zwischen Brötchen oder Müsli zum Frühstück entscheiden. Doch ist das wirklich so einfach? Der heutige Karfreitag, der Tag, an dem Gottes Sohn sein Leben gab, um uns zu retten, macht uns deutlich, dass es nicht so einfach ist. Der Bericht des Evangelisten Matthäus über das Verfahren Jesus vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus will uns helfen, Gottes große Liebe zu seiner gefallenen Schöpfung zu erkennen. Fragen wir also: Jesus von Nazareth oder Jesus Barabbas? Für wen entscheidest du dich?

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6. Sonntag in der Passionszeit – Palmarum – „Palmsonntag“ 2020: Dein König, Jesus Christus, kommt für dich

Warum trägt der heutige Sonntag eigentlich den Namen „Palmarum“ oder „Palmsonntag“? Wo kommen die Palmen am heutigen Sonntag her und was haben sie zu bedeuten? Nun, im heutigen Sonntagsevangelium kommen sie nur versteckt vor. Schauen wir aber in den Bericht des Evangelisten Johannes zum Einzug Jesu in Jerusalem, dann sehen wir dort, dass die Zweige, die die Menschen von den Bäumen hieben, Palmzweige waren (Joh 12,13). Warum Palmzweige? Haben die Menschen das genommen, was sie gerade zur Hand hatten, oder liegt eine tiefere Bedeutung darin?

Im 2. Jahrhundert vor Christus wurden die Juden von den Nachfolgern Alexanders des Großen beherrscht. Doch dann kam es zum Aufstand der Makkabäer. Der Hohepriester Mattatias und seine vier Söhne leiteten diese Bewegung, die den Juden eine letzte Zeit der Eigenständigkeit brachte. Einige Jahre später, um 140 v. Chr., zog einer seiner Söhne in Jerusalem ein. Auch dabei wurden Palmzweige als Zeichen des Sieges und der Freiheit geschwenkt. Beim letzten jüdischen Aufstand schließlich, einige Jahrzehnte nach Jesus, wurden von den aufständischen Juden auch Münzen geprägt. Einige von ihnen zeigten Palmzweige, als Zeichen der Freiheit und der Unabhängigkeit.

Das wurde von der Menschenmenge getan, die Jesus von Jericho herauf begleitet hatte und auch von den Menschen, die ihm aus Jerusalem entgegenkamen. Hier kommt der König, der Nachkomme Davids, den ihn Nathan im Auftrag Gottes (2. Sam 7) verheißen hatte. Und die Menschen jubeln ihm begeistert zu! Aber haben sie auch verstanden, warum Jesus kommt und welche Art von König er sein will? Haben wir verstanden, wozu Jesus in Jerusalem eingezogen ist? Lasst uns diesen so vertrauten Text noch einmal betrachten, unter der Überschrift:

Dein König, Jesus Christus, kommt für dich.

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Epiphaniasfest – „Die Erscheinung des Herrn“ – 2020: Gott zeigt dir deinen Heiland.

Was ist Epiphanias? Das Wort selbst bedeutet „Erscheinung“ oder „Offenbarung“. Dieses Fest ist, nach allem, was wir wissen, das älteste Fest der Christenheit. Dabei geht es vor allem darum, dass Jesus als der Sohn Gottes und Heiland der Welt offenbart wird. Heute ist es so, dass in der Epiphaniaszeit in den verschiedenen Lesungen deutlich wird, wie Christus offenbart wird. Zu Epiphanias und am letzten Sonntag nach Epiphanias wird Jesus durch andere offenbart, heute durch die Weisen aus dem Morgenland, am letzten Sonntag durch Gott, den Vater, selbst. An den dazwischenliegenden Sonntagen offenbart und zeigt sich Jesus selber als den Heiland der Welt.

Dass wir Menschen verständnislos vor den Ereignissen von Weihnachten stehen, dass es nötig ist, dass Gott sich offenbart, d. h. dass er zeigt und sagt, was sie bedeuten, findet sich in der ganzen Weihnachtsgeschichte, ganz gleich ob bei Lukas, oder bei Matthäus. Im 1. Kapitel des Evangelisten Matthäus will Josef seine schwangere Verlobte Maria verlassen, weil sie ihm – nach seinem Wissen – untreu geworden ist. Es ist erst ein Engel nötig, der ihm das Weihnachtswunder erklärt und bestätigt, dass Maria treu war, dass das Kind von Gott ist, ja, dass diese Kind der verheißene Retter sein wird, ehe Josef seine Maria heimholt.

Aus diesem Bericht über Josef und die Namensgebung von Marias Kind haben wir gelernt, dass wir Menschen ohne Gott nicht glauben können. Gott muss eingreifen, muss uns sein Wort geben, damit wir erkennen, wie Gott selbst, durch seinen Christus, den Sohn Davids und den Sohn Gottes, wirken will. Ohne Gott können wir weder verstehen noch glauben. Derselbe Gegensatz findet sich auch in unserem heutigen Evangelium wieder. Gott selbst greift wiederholt ein, durch seinen Stern, durch sein Wort und durch eine Erscheinung, um alles in die richtigen Bahnen zu lenken und zu leiten, denn allein sind wir dazu nicht in der Lage.

Der heutige Text macht uns auch deutlich, wie Menschen zum Glauben kommen. Nur dadurch, dass Gott in dieser Welt wirkt und eingreift, können wir verstehen und glauben, wie Gott durch Christus in und an uns wirkt, um uns zu retten. Zu Epiphanias zeigt Gott dir deinen Heiland.

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Epiphaniasfest 2019: Die Erscheinung des Herrn

Es ist eine allzu bekannte Geschichte, die wir gerade gehört haben. Die „Weisen“ aus dem Morgenland, gehören zu Weihnachten und zur Krippe dazu, so sehr, dass wir sie schon beinahe wieder aus dem Blick verloren haben, denn Weihnachten ist doch vorbei, oder? So nahe sind die „Weisen“ mit ihren Fragen und Geschenken an Weihnachten herangerückt, dass sie für uns zu Weihnachten gehören und nicht zu Epiphanias, dem Fest, das in diesem Jahr einmal auf einen Sonntag fällt. So sehr gehören sie zu Weihnachten dazu, dass wir mit diesem Fest und seiner Botschaft oft nicht allzu viel anzufangen wissen. Es geht uns ganz ähnlich wie zu Weihnachten, wenn wir hören:

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, das alle Welt geschätzt würde…“

Da besteht auch immer die Gefahr, dass wir uns so sehr an diesen Text gewöhnt haben, dass wir ihn gar nicht mehr richtig hören. Durch seine Nähe zu Weih-nachten geht es uns mit dem Bericht des Matthäus über den Besuch der „Weisen aus dem Morgenland“ ganz ähnlich. Dazu kommen die vielen Legenden, die sich um diese Männer ranken. So bekannt ist dieser Text, so vereinnahmt von Weihnachten, dass wir oft genug nicht mehr in der Lage sind zu erkennen, wie eigenartig dieser Text ist und das, was er uns berichtet.

Epiphanias bedeutet „Erscheinung“, „Sichtbarwerden“ oder auch „Sichzeigen“. Das wollen wir heute im Blick haben, dass Christus „sichtbar wird“, dass Gott „sich zeigt“. Gott zeigt seinen Heilsweg, die Art und Weise, wie er in Christus rettet. Er macht sich bekannt. Warum? Nun, es ist eine eigenartige Erscheinung, ein völlig unerwartetes Sichtbarwerden. Sie überrascht Menschen. Sie trifft sie sie unvorbereitet an, erwischt sie auf dem falschen Fuß. Deshalb wollen wir heute gemeinsam über diesen Text nach. Vor einigen Jahren gab es einen beliebten Film mit dem Titel: „Schlaflos in Seattle“. Würde man einen Film über die menschlichen Reaktionen auf Gottes Sichtbarwerden in Christus drehend, basierend auf Mt 2, dann müsste man ihn wohl „Ahnungslos in Jerusalem“ nennen.

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9. Sonntag nach Trinitatis 2018 – Abschlussgottesdienst Kinderrüste

Petrus ist einer dieser Jünger, die die Geister scheiden. Die einen mögen ihn, seine nassforsche Art, die Tatsache, dass er kein Geheimnis aus dem macht, was er denkt. Sie mögen seinen Mut, sein Draufgängertum. Andere wieder haben so ihre Probleme mit diesem Jünger und Apostel: wie oft redet er, ohne nachzudenken, wie oft passiert es, dass er einen erschreckenden Mangel an Einsicht, Verständnis und Erkenntnis zeigt.

Der Apostel Petrus, wie ihn uns die Evangelien schildern, ist eine schillernde Persönlichkeit – und er ist eine Persönlichkeit, in der wir uns alle wiederfinden können. Viele der Probleme, die wir mit unserem Glauben, mit unserem Christsein, mit unserem Leben haben, finden wir in ihm wieder, in seinen Fragen, in seinen Problemen. Und unser Heiland Jesus Christus geht auf diese Dinge ein, und beantwortet dadurch auch unsere Fragen, besänftigt unsere Ängste, zeigt uns unsere Schuld, nimmt unser Versagen weg. Petrus und Jesus, Zweifel und Gnade.

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Letzter Sonntag nach Epiphanias 2018

Das heutige Sonntagsevangelium am Ende der Epiphaniaszeit zeigt uns unseren Heiland auf ganz besondere Art und Weise. Auf dem Berg der Verklärung erscheint Jesus drei seiner Jünger in seiner göttlichen Herrlichkeit. Wie ein Sonnenstrahl, der plötzlich durch eine finstere Wolkendecke bricht, wird in der Erscheinung auf dem Berg, dem Gespräch mit Mose und Elia und dem himmlischen Vater, der seinen Sohn bestätigt, für ein paar Augenblicke offensichtlich deutlich, wer Jesus wirklich ist.

Unmittelbar vor unserem Text hatte Jesus seinen Jüngern das erste Mal seinen Tod angekündigt. Petrus, der ein paar Augenblicke vorher noch bekannt hatte, dass Jesus Gottes Sohn ist, kann nicht fassen, dass Jesus sterben wird. Gott kann doch nicht sterben! Der Messias kann nicht am Kreuz sterben, was wird dann aus seinem Reich. Jesus zeigt den Jüngern damals und uns heute noch einmal und auf ganz besondere Art und Weise seine Herrlichkeit als Gottes Sohn, bevor wir ihn am Karfreitag in seiner tiefsten Schande und Niedrigkeit erblicken. Hier liegt auch die Absicht dieses Ereignisses und wir wollen heute gemeinsam bedenken: Jesus bereitet seine Jünger auf sein Leiden vor.

1. Er zeigt ihnen seine Gottheit.

2. Er bietet ihnen einen Blick in den Himmel.

3. Er empfängt die Bestätigung seines Vaters.

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Ewigkeitssonntag 2017

„Vorbereitung ist alles!“ In unserem Alltag ist es sehr hilfreich, wenn wir vorbereitet sind. Ganz gleich, ob wir Schüler, Hausfrau, Arbeiter oder Chef sind: Unsere tägli-chen Aufgaben lassen sich viel einfacher erledigen, wenn wir darauf vorbereitet sind. Im Nachhinein kann es sehr mühselig und aufwändig sein, ja, sogar unmöglich sein, solche versäumten Vorbereitungen nachzuholen.

Auch in geistlichen Dingen brauchen wir Vorbereitung. In unserem Leben als Christen gibt es vor allem ein Er-eignis, auf dass wir sehr gründlich vorbereitet sein, für das wir bereit sein sollten – den Jüngsten Tag, der Tag, an dem Jesus kommt, um unsere Erlösung zu vollenden. Der heutige Ewigkeitssonntag erinnert uns daran, dass alles einmal ein Ende hat, auch unser Leben. Wir wissen nicht, wann wir sterben oder wann Jesus wiederkommen wird.

Deshalb ist es wichtig, bereit zu sein. Dazu ruft uns unser Heiland auch in unserem heutigen Predigttext auf: Bist du bereit für das Kommen unseres Bräutigams?

1. Bereit voller Vorfreude.

2. Bereit in der Gemeinschaft mit anderen.

3. Bereit ganz für dich allein.

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Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr 2017

Es ist interessant zu beobachten, wie kleine Kinder sich entwickeln, wie sie wachsen und größer werden. Dabei sind immer beide Seiten von Interesse: die körperliche und die geistige Entwicklung. Ein Kind bewegt am Anfang nicht viel mehr als Arme, Beine und den Kopf. Irgendwann kann es den Kopf allein heben, dann dreht es sich auf die Seite. Nach einer gewissen Zeit fängt es an zu krabbeln, dann steht es und irgendwann fängt es an mit Laufen.

Auch die geistige Entwicklung verläuft allmählich. Erst reagiert ein Baby auf Licht und Dunkelheit, auf die Mutter und irgendwann auch auf andere Menschen. Es lernt zu lächeln. Dann folgen die ersten Worte. Und hier wird es dann interessant. Am Anfang wird das kleine Kind, etwa wenn es sich im Spiegel betrachtet, seinen Namen nennen. Erst nach längerer Zeit erfolgt der Schritt zum „ich“. Das Bild da im Spiegel, das bin ich selber. Ein Mensch lernt sich selbst kennen, er erkennt sich selbst.

Darum geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Es ist ein Abschnitt aus den letzten Reden und Gleichnissen, die Jesus vor seinem Tod erzählt hat. Dabei geht es um das Ende der Welt und um das letzte Gericht und das Verhalten der Jünger Jesu angesichts der Tatsache, dass diese Welt Enden wird und dass dieses Ende unerwartet kommen wird. Wir sollen vorbereitet sein und tun, was unser Herr uns aufgetragen hat, bis er wiederkommt, um diese Welt zu richten und das ewige Leben einzuläuten. Wir wollen also die Frage stellen: Wer bin ich, angesichts des letzten Gerichts?

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Reformationsfest 2017

Heute feiern wir das Reformationsfest und nicht nur irgendeins, sondern 500 Jahre lutherische Reformation. Für uns, als lutherische Kirche, ist es eines der wichtigsten Feste im ganzen Jahr, auch wenn die Bedeutung dieses Tags in unserer Umwelt weitgehend verloren gegangen ist. Wir denken daran, was Gott durch Martin Luther angestoßen hat, als der vor 500 Jahren seine 95 Thesen über die Buße an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte, und damit eine Erneuerung der Kirche los trat, die ihresgleichen sucht. Die evangelische Kirche entdeckte die Heilige Schrift wieder, das vierfache „allein“ der Bibel und der Reformation: allein durch Christus, allein aus Gnade, allein durch den Glauben, allein in der Heiligen Schrift. Gott schenkt uns 500 Jahre lutherische Reformation.

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