Sermons on “Erlösung”

1. Christtag 2016

Was denkt ihr, wenn ihr diese vertrauten Worte hört? Da ist der römische Kaiser Augustus, der zur Erhebung der Steuern eine Volkszählung in seinem Reich ansetzt; da ist eine junge Frau, die mit ihrem Mann in den Ort kommt, aus dem ihr gemeinsamer Vorfahre, der berühmte König David abstammte; da ist das Kind, das sie dort zur Welt bringt, das ihr Kind ist, aber nicht seins; und da sind die Hirten, die völlig unerwartet mit Gottes Herrlichkeit und der Botschaft der Engel auf den dunklen Feldern Bethlehems konfrontiert werden.

Was denkt ihr, wenn ihr diese Worte hört, von einem neugeborenen Kind, dass doch der Herr ist, einem Kind, das Freude für das ganze Volk bedeutet und dem Frieden auf Erden für den es steht und den es bringt? „Friede auf Erden“ – doch wenn wir Nachrichten schauen, scheint Krieg eher das Wort der Wahl zu sein. Ja, manchmal scheinen sich die Dinge zum Besseren zu wenden, wie in Kolumbien, wo nach Jahrzehnten des Krieges und hunderttausenden von Toten ein Friedensvertrag geschlossen wurde. Doch auf der anderen Seite stehen Hunderttausende, die ihr Leben lassen mussten: in Syrien, im Irak, im Jemen, in der Ukraine oder wo sonst auf dieser Welt Menschen einander das Leben nehmen. Auch Anschläge, wie etwa der in Berlin in der vergangenen Woche oder Tausende unschuldiger Menschen, die durch Drohnenangriffe sterben, gehören hierher.

Und dann ist da der Streit, der Hass, die Feindseligkeit, die wir auch in unserem eigenen, privaten Umfeld immer wieder erleben müssen: Ehen, die zerbrechen, weil einer untreu wird; Freunde, die zu Feinden werden; Familien, die sich nichts zu sagen haben; Menschen, die nicht mehr miteinander reden wollen. Wie passt das alles zusammen mit der Weihnachtsbotschaft, von dem Kind in der Krippe und dem Frieden auf Erden, von dem die Engel in Bethlehem singen? Lasst uns heute gemeinsam betrachten: Weihnachten ist die Grundlage für die Hoffnung auf dauerhaften Frieden.

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Heiligabend 2016

In den Wochen vor Weihnachten pflegen wir die unterschiedlichsten Tradi-tionen, die sich von Familie zu Familie unterscheiden. Da gibt es den Adventskranz, der mit seiner zunehmenden Anzahl von Lichter zeigt, wie viele Sonntage es noch bis zum Weih-nachtsfest sind. Oder, besonders bei Kindern beliebt, der Adventskalender. Den gibt es mit Türchen, Socken, Sternen oder kleinen Tüten. Jeden Tag wird eines davon aufgemacht und die Kinder wissen ganz genau, wie viele Tage es noch bis Weihnachten sind.
Am Heiligabend wird nach der Christvesper beschert und dann gibt es was zu essen. Auch da gehen die Bräuche weit auseinander. Die einen essen Mittag Linsen mit Bratwurst und abends gibt es Hase, Gans, Ente oder Pute mit Klößen und Rotkohl. Bei anderen ist Kartoffel-salat mit Würstchen Tradition. Als ich Kind war, haben wir erst am ersten Feiertag beschert, früh, vor dem gemeinsamen Frühstück, wo der Christstollen angeschnitten wurde, ehe wir zum Gottesdienst gegangen sind.

Am Weihnachtsmorgen ziehen wir uns festlich an, und ziehen los, um die Geburt unseres Königs zu feiern. Der Nachmittag gehört der Familie. Am zweiten Feiertag feiern wir noch einmal im Gottesdienst Weihnachten. Mittags gibt es dann die reichlichen Reste vom Vor-tag. Wir rufen die Lieben an, die wir am ersten Feiertag nicht gesehen oder von denen wir nichts gehört haben. Wir nutzen den freien Tag für einen ausgiebigen Mittagsschlaf.

All unsere Advents- und Weihnachtsbräuche – und ich bin mir sicher, dass viele von ihnen noch ein paar beisteuern könnten – unterscheiden sich so grundlegend davon, wie das Leben Jesu nach Weihnachten aussah. Ich staune jedes Mal aufs Neue, wenn ich die Worte lese, die der Heilige Geist durch den Apostel Johannes aufgeschrieben hat: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ Ich staune über Gottes Liebe, weil er sein Zuhause, seine Wohnung bei seinem Volk aufschlägt. Freiwillig verlässt Gottes Sohn seine Herrlichkeit, lässt die Regie-rung des Universums, das Lob und den Dienst der Engel, alle Annehmlichkeiten, Ehre und Reichtümer, die ihm zustehen, hinter sich, um in unserer Welt zu leben.

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1. Advent 2016

Wissen sie, warum „Schach“ als das königliche Spiel bezeichnet wird? Das hängt zum einen mit der Entstehungsgeschichte dieses Spiels zusammen. Es stammt wohl aus dem heutigen Iran. Dort hießt der König „Schah“, wovon sich unser Wort Schach ableitet. Der andere Grund ist folgender. Es gibt viele verschiedene Figuren in diesem Spiel: Die Bauern rücken unerbittlich, in großer Zahl vor, die Läufer kann man hin und her ziehen; die Springer springen quer, vorwärts und rückwärts, die Türme ziehen gerade. Die Dame kann in einem Zug das ganze Feld überqueren, sie zu besitzen ist der größte Vorteil, sie zu verlieren der herbste Verlust. Doch die wichtigste Figur ist der König. Wird der König genommen, ist das Spiel aus und verloren, auch wenn noch so viele Figuren auf dem Feld stehen.

So ist es nicht nur bei diesem Spiel, sondern auch in unserem Leben. Ohne unseren König macht diesen Leben keinen Sinn. Ohne unseren König, Jesus Christus, kann in unserem Leben noch so viel los sein, es ist alles sinnlos. Der große Unterschied ist der, dass jeder, der auch nur ein klein wenig Ahnung vom Sachspiel hat, das weiß. Es ist die allererste Regel, die man lernt: Der König ist die wichtigste Spielfigur. Ihn gilt es um jeden Preis zu schützen. Doch ist uns das in unserem Leben auch immer so bewusst? Wissen wir, dass es ohne unseren König nicht geht?

Mit dem heutigen Sonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Wieder wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten die großen Taten Gottes bedenken, der uns von Herzen liebt und uns erlöst hat, der uns nicht uns selbst überlassen hat, sondern der uns retten will. Den Anfang macht die Adventszeit. Hier denken wir darüber nach, dass Gott selber zu uns kommt. Dein König, Jesus Christus, kommt zu dir, um dir zu helfen.

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Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr 2016

Was kommt am Ende unseres Lebens? Was geschieht am Ende dieser Welt? Die Antworten darauf fallen ganz unterschiedlich aus. Die einen meinen: Am Ende der Welt erlöschen die Sterne, in vielen Milliarden Jahren schrumpft unser Universum, nur um dann neu zu entstehen. Am Ende des Lebens steht der Tod und das war’s. Mit dem Tod ist alles aus. Diese Meinung ist heute die weitesten verbreitete, sogar viele Christen sehen es so.

Doch die Bibel zeigt uns, dass es am Ende des menschlichen Lebens – und am Ende dieser Welt – nicht einfach alles zu Ende ist. Am Ende steht Gottes Gericht. Gott wird die ganze Welt öffentlich nach seinem Wort und Willen richten. Die Bibel berichtet uns in vielen unterschiedlichen Büchern von diesem letzten Gericht. Vieler Bilder werden gebraucht, um uns eindringlich zu schildern, wie wichtig dieses Gericht auch für jeden von uns ist. Hier wird öffentlich verkündigt, wie unser ewiges Schicksal aussehen wird.

Die Entscheidung darüber, was Gott uns dann sagen wird, fällt aber hier, in diesem Leben. Leben wir hier mit Gott, dann werden wir auch dort für immer bei ihm sein. Der Prophet Daniel hat uns aufgeschrieben, was Gott ihm vor mehr als 2.500 Jahren dazu gezeigt hat. Die Vision, die er erhalten hat, dient uns zur Warnung und zum Trost. Sie zeigt uns Gott auf seinem Thron. Sie zeigt uns das letzte Gericht. Wir wollen das Bild aus unserem Text aufgreifen und folgende Überschrift über unsere Predigt stellen: Der Uralte setzt sich auf seinen Thron.

1. Er leuchtet in königlicher Pracht.

2. Er richtet mit königlicher Macht.

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7. Sonntag nach Trinitatis 2016

Und so machte Jakob sich auf die 800 km lange Reise in die Stadt Haran, im Land nördlich von Kanaan. Heute kennen wir dieses Land als Syrien; zu alttestamentlichen Zeiten wurde es als Aram bezeichnet. Als er loszog, war Jakob wohl kaum stolz auf die Tatsache, dass es ihm gelungen war die Verheißung, die er haben wollte, durch Betrug zu erlangen. Er war verängstigt, verfolgt von der Erinnerung an seine Schuld, aber aufgemuntert durch die Verheißung, die sein Vater ihn gerade wiederholt hatte. Und hier beginnt nun die wunderbare Geschichte von Jakobs Traum von der Himmelsleiter, über die wir heute hören wollen, die auch uns trösten und stärken kann und will.

Jakobs Traum von der Himmelleiter: Gott ist mit seinen Kindern.

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Pfingstmontag: „Ausgießung des Heiligen Geistes“ 2016

Das Pfingstfest markiert das Ende der ersten Hälfte des Kirchenjahrs. Mit dem Pfingstfest endet die sogenannte festliche Hälfte oder das Halbjahr des Herrn. Wir haben seit der Adventszeit die großen Heilstaten Gottes wieder gefeiert und uns daran erfreut und uns dadurch trösten lassen. Der heutige Predigttext ist eine Art Zusammenfassung. Er schaut zurück auf das vergangene halbe Jahre und fasst zusammen, was wir dort gesehen haben. Zugleich steht er an der Spitze der zweiten Jahreshälfte, dem Halbjahr der Kirche. Dort betrachten wir die Auswirkungen von Gottes Gnade auf unser Leben. Sein Werk ist Voraussetzung und Motor für unser Leben.

Wenn wir diesen Text aufmerksam lesen, fällt auf, dass Paulus dreimal in unserem Text zum Lob Gottes aufruft. Er zeigt, dass alles, was der dreieinige Gott für unsere Erlösung getan hat, dazu gedacht ist, dass seine Herrlichkeit gelobt wird. Darum wollen wir den Anfang eines Stückes aus unserer Liturgie als Thema über diesen Text stellen und heute gemeinsam betrachten, warum wir, in der Mitte des Kirchenjahres, alle Grund haben, Gott zu loben: Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘!

1. Denn der Vater hat uns erwählt.
2. Denn der Sohn hat uns erlöst.
3. Denn der Heilige Geist hat uns versiegelt.

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6. Sonntag nach Ostern: Exaudi („Höre, Herr, meine Stimme“) 2016

Heute feiern wir gemeinsam den Sonntag Exaudi, nach dem Eingangspsalm: „Höre, Herr, meine Stimme, wenn ich rufe.“ äußern wir die Bitte, dass Gott uns nicht allein lässt, dass er bei uns bleibt, dass er mit uns redet. Jesus hat seinen Jüngern, vor seinem Tod als auch in den vierzig Tagen nach Ostern immer wieder Mut gemacht. Er wird ihnen den Heiligen Geist, den Tröster senden. Er wird ihnen Mut geben, Kraft verleihen, Trost schenken, sie zu Zeugen machen.

Der heutige Sonntag ist der letzte Sonntag in der Osterzeit, der Sonntag der schon ganz auf das Pfingstfest ausgerichtet ist. Gott hat uns seinen Geist auch heute zugesagt und geschenkt. Er hat versprochen, dass er uns nicht allein lassen wird. Der Apostel Paulus greift diesen Gedanken in unserem Predigttext auf und macht uns deutlich, dass Gott auch jeden von uns nicht allein lässt: Gott will uns trösten, wie er uns versprochen hat, denn wir sind…

1. durch seinen Geist vertreten.
2. durch seine Gnade erwählt.
3. durch sein Evangelium berufen.

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5. Sonntag nach Ostern: Rogate („Bittet, so werdet ihr nehmen“) 2016

Gegen Ende unserer Gottesdienste folgt das so genannte allgemeine Kirchengebet. Geht es und dabei nicht oft genug so, dass wir denken: „Bald ist der Gottesdienst vorbei.“ Und vielleicht schweifen wir dann in Gedanken schon ab, denken an das Mittagessen oder den Ausflug, den wir für den Nachmittag geplant haben. Das geht uns wohl allen immer wieder so. Doch dann verstehen wir nicht, dass wir im Gottesdienst nicht nur passiv sind. Wir sind nicht nur hier, um zuzuhören. Gemeinde sein ist mehr als Publikum. Gemeinde ist aktiv. Gemeinde hat etwas zu tun. Wir können etwas beisteuern. Jeder von uns ist Teil des Ganzen, der christlichen Gemeinde. Hier empfangen wir nicht nur, sondern wir geben auch.

Das Vaterunser, das große Gebet unseres Herrn, das er uns gegeben hat, macht es uns deutlich. Hier heißt es: „Vater unser im Himmel.“, nicht „Mein Vater im Himmel.“ Es ist in der Mehrzahl geschrieben. Es ist zunächst einmal das Gebet der christlichen Kirche und Gemeinde. Wir beten auch für uns, zugleich aber für alle anderen Menschen. Darüber wollen wir heute, anhand unseres Predigttextes, gemeinsam nachdenken. Wir Christen beten für alle Menschen.

1. Weil Gott alle Menschen retten will.
2. Weil unser Dienst allen Menschen gilt.

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1. Sonntag nach Ostern: Quasimodogeniti („Wie die neugeborenen Kinder“) 2016

Ostern ist das große Fest der Christenheit. Es bildet den krönenden Abschluss des Erlösungswerks unseres Heilandes. Deshalb feiern wir auch heute Ostern. Im heutigen Sonntagsevangelium haben wir von Thomas gehört, einem der zwölf Jünger. Auch vom Bericht der anderen zehn Jünger lässt er sich in seiner Trauer und in seinem Zweifel nicht zum Glauben bringen. Trotzig, ja, sündig fordert er Gott heraus. Er will ein Zeichen haben, er will Jesus sehen und berühren. Aus Gnade ist Jesus dazu bereit, seinem ungläubigen, verzagten Apostel diese Bitte zu erfüllen. Zugleich tadelt er ihn aber auch:

Joh 20,29: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Wir werden im Glauben selig, dem Glauben, den uns Gottes Wort schenkt und erhält. Um dieses feste Vertrauen auf Gottes Wort geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Er enthält eine der bekanntesten Stellen aus dem Buch Hiob, ja aus dem ganzen Alten Testament: das Glaubensbekenntnis Hiobs von seinem lebenden Erlöser. Es greift diese beiden Worte vom Glauben und vom Schauen oder Sehen auf. Unser Glaube greift Hiobs getrostes Osterbekenntnis auf.

1. Ich glaube, dass ich einen Erlöser habe.
2. Ich glaube, dass er am Ende kommt.
3. Ich glaube, dass er meinen Körper auferweckt.
4. Ich glaube, dass ich Gott sehen werde.

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