Sermons on “Erniedrigung”

2. Sonntag nach Epiphanias 2019

Für viele Menschen gehört dieser Bibeltext zu denen, an die sie sich gerne erinnern. Er gehört zu ihren Lieblingstexten. Ein Grund liegt sicher darin, dass Gottes Verhalten hier unseren Erwartungen entspricht. In dieser Geschichte liefert Gott. Die Gastgeber dieser Hochzeit waren in großer Not. Sie standen kurz davor zum Gespött des ganzen Ortes zu werden. Bei ihrer Hochzeit war der Wein ausgegangen, ehe das Fest zu Ende war. Diese Schande würde das Brautpaar nie wieder loswerden. Sie befinden sich in einer ausweglosen Lage. Sie brauchen unbedingt Hilfe. Und dann ist da Jesus, einer der Gäste auf diesem Fest, zusammen mit seiner Mutter und seinen Jüngern.

Nachdem seine Mutter ihn angestupst hat und mit etwas Hilfe vonseiten einiger gehorsamer Diener, rettet er das Fest und löst das Problem, ehe die meisten mitbekommen haben, dass es existiert. Und, seien wir ehrlich, ist es nicht genau das, was wir von Gott erwarten – und vor allem – ist das nicht genau die Art und Weise, wie wir Hilfe von Gott erwarten? Er soll sich einmischen und helfen. Doch wenn wir den Text aufmerksamer betrachten, fallen uns einige Dinge auf, die uns zeigen, Gottes Wort berichtet uns hier mehr als eine oberflächliche Betrachtung an den Tag bringt. Denn am Ende des Verses sagt der Evangelist:

„Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.“

Dieser Vers macht deutlich, dass es nicht damit getan ist zu sagen: Jesus hat sich durch dieses Wunder als Gottes Sohn erwiesen. Er ist der Herr über die Schöpfung, der auch Wasser in Wein verwandeln kann. Gott kommt, um uns zu helfen. Johannes spricht in seinem Evangelium immer von Zeichen, anstelle von Wundern. Ein Zeichen, zeigt auf etwas. Es zeigt auf Jesus, darauf, dass er Gottes Sohn ist, Jahwe, der als Mensch in unsere Welt gekommen ist, um diese Welt zu retten und uns Menschen selig zu machen. Schauen wir uns diesen Text noch einmal an und sehen wir, wie Jesus uns in Kana seine Herrlichkeit offenbart.

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6. Sonntag in der Passionszeit 2018: Palmarum – Palmsonntag

Ihr seid alle Herren, ja, auch die Frauen! Auch wenn wir heute nicht mehr so reden, wisst ihr vielleicht, was damit gemeint ist. Du bist ein Herr, du bist einer, der neben dir sitzt auch.
Vielleicht hältst du dich nicht für einen Herrn. Weder bist du Landbesitzer, du hast keine besonderen Titel oder Ämter, gehörst nicht zu den Reichen und Wohlhabenden. Ganz im Gegenteil. Du bist einfach nur ein ganz normaler Rentner, Arbeitnehmer oder Schüler. Du hast keine wirkliche Kontrolle über dein Leben, denn es gibt immer jemand anderes, der die ganze Macht besitzt, der dir sagt, was du zu tun oder zu lassen hast.

So geht es wohl den meisten von uns. Zum größten Teil denken wir, dass wir alles andere sind, nur nicht die Herren. Auf der Rangleiter stehen wir eher im unteren Bereich, denn es gibt immer irgendjemanden, der über mir steht.

Doch vielleicht sollten wir darüber noch einmal etwas genauer nachdenken. „Du bist ein Herr!“ Ein Herr ist nicht einfach nur jemand, der über dir steht. Ein Herr ist jemand, der Macht jedweder Art über irgendjemanden zu irgendeiner Zeit ausübt. Du steigst z. B. in dein Auto und fährst nach Hause. Doch anstatt dich an die Regeln zu halten und 70 km/h zu fahren, fährst du 95 km/h, denn deine Zeit ist ja viel kostbarer als die Sicherheit eines anderen. Du bist auch ein Herr, wenn du dich auf der Autobahn weigerst einen anderen Fahrer in der linken Spur in „deine“ Spur einbiegen zu lassen.
Du bist ein Herr, wenn du dich in der Schlange am Supermarkt vordrängelst oder nicht einen Gedanken daran verschwendest, einen anderen vorzulassen. Du bist ein Herr, wenn du dir das letzte Stück Schokokuchen nimmst, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob jemand anders vielleicht auch noch ein zweites Stück haben möchtet. Schließlich hattest du erst vier Stücke.

Du bist ein Herr, wenn du nach einem langem, stressigen Tag nach Hause kommst und dein Mann, deine Frau oder deine Kinder wollen etwas von dir und du hast einfach keine Zeit, keine Lust, keine Kraft. Du bist ein Herr, wenn du einkaufen gehst und du entscheidest, was du kaufst, was du dir gönnst, aber den Bedürftigen lässt du außen vor. Der kann selber sehen, wo er bleibt.

Immer dann, wenn wir eine Entscheidung treffen, die auch auf andere Menschen Auswirkungen hat, verhalten wir uns wie ein Herr. Ja, auch dann wenn wir Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf die Schöpfung haben, deren Verwalter wir sind, die Gott uns anvertraut hat, verhalten wir uns als Herr, besonders dann, wenn wir nicht über die Auswirkungen unserer Entscheidungen nachdenken. Was kaufe ich, was werfe ich weg, brauche ich das wirklich usw.

Luther hat das sehr genau verstanden. In seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von 1520 schreibt er:

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.“

In Christus bist du vollkommen frei. Niemand kann etwas von dir verlangen, niemand kann etwas fordern. Du kannst alles tun, du bist ein Herr über alle Dinge. So sieht die Wirklichkeit deines Lebens als Christ aus, auch wenn du oder deine Umwelt das nicht erkennt. Doch hier wird es spannend. Denn eine Frage gilt es noch zu stellen, nämlich die Frage: Welche Art von Herr bist du? Darum geht es dem Apostel Paulus in unserem heutigen Text.

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