Sermons on “Gnade”

3. Advent 2019: Wie Gott an Noah denkt und ihn rettet, so denkt er auch an uns und rettet uns.

Johannes der Täufer liegt im Gefängnis. Der von Gott ausgewählte Wegbereiter seines Sohnes, ist gefangen, der Tod steht ihm bevor. Und die letzten Worte, die wir aus seinem Mund in der Bibel hören, sind Worte des Zweifels. Plötzlich ist er sich nicht mehr sicher, ob Jesus, den er als das Lamm Gottes (Joh 1,29) bezeugt hat, wirklich der verheißene Retter ist. „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“, lässt er Jesus durch seine Jünger fragen. Seine Erwartungen passen nicht zum Auftreten von Jesus. Er hat mit dem Gericht, dem herrlichen Ende der Welt, der Strafe über die Bösen und der Verherrlichung der Gläubigen gerechnet. Er ist der Botschafter des Herrn, aber er muss im Gefängnis liegen. Wie passt das zusammen?

Sind das nicht auch unsere Fragen? Wir sind Gottes Kinder. Gott verspricht, dass er uns lieb hat, dass er sich um uns kümmern, bei uns sein, uns niemals verlassen, uns versorgen will. Aber oft genug scheint er uns dann in unserem Leben nur allzu oft allein zu lassen. Wir sehen Gott nicht, fühlen uns allein. Ja, manchmal geht es uns wie Jakob oder der kanaanäischen Frau, dass der Feind, der Gegner in unserem Leben, Gott zu sein scheint. In den finsteren Abschnitten unseres Lebens, in unserer Trauer, in Krankheit, voller Schmerz, in Einsamkeit, wenn wir nicht mehr aus noch ein wissen, wenn wir nicht wissen, wie es weitergehen soll, ob es weitergehen wird, dann suchen wir Gott, aber wir können ihn nicht finden. Was dem Vorläufer des Messias passiert ist, passiert uns auch. Wir kommen ins Grübeln, ja ins Zweifeln. Unser heutiger Text will uns dabei helfen, denn er zeigt uns im Bericht vom Ende der Sintflut und der Rettung Noahs und seiner Familie unser eigenes Leben mit Gott.

Wie Gott an Noah denkt und ihn rettet, so denkt er auch an uns und rettet uns.

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14. Sonntag nach Trinitatis

Im Hebräerbrief stehen die Worte: „Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“ (Hebr 9,27). Jeder Geburtstag bringt uns dem Tag unseres Todes einen Schritt näher. Und schließlich verlischt unser Lebenslicht, wenn wir unseren letzten Atemzug tun. Es ist der Punkt ohne Wiederkehr. Aber eigentlich ist er kein Punkt, der Tod, meine ich, denn Tag für Tag, Stunde um Stunde, Augenblick für Augenblick sterben wir ständig oder Stück für Stück.

Selbst eine kleine Erkältung erinnert uns daran, dass unser sterblicher Leib eines Tages kalt in der Erde liegen wird. Die Tage unseres Lebens – sie zählen 70 Jahre oder manchmal auch 80 Jahre – und wir kennen den ein oder anderen, dem ein noch längeres Leben geschenkt wurde. Aber wir wissen auch, wie diese Worte Moses weitergehen:

Ps 90,10: „…und wenn es köstlich gewesen ist, dann ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es eilt schnell dahin, als flögen wir davon.“

Die Tage unseres Lebens, sie vergehen wie im Flug. Wir fliegen zum Richterstuhl Gottes. Dort müssen wir vor dem Einen erscheinen, der alles weiß, vor dem nichts verborgen ist: keine Tat, auch wenn wir ganz allein waren, als wir sie begangen haben; kein Wort, auch wenn kein menschliches Ohr es gehört hat; ja, nicht einmal die Gedanken, die wir sorgfältig vor anderen Menschen verbergen. Unser ganzes Leben liegt wie ein aufgeschlagenes Buch vor dem, der alles weiß. Meinen wir wirklich, dass wir vor ihm irgendetwas verbergen könnten?

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Altjahresabend 2018

Irgendwie ist es jedes Jahr zu Silvester, am Altjahresabend dieselbe Frage, die doch immer neu ist. Und diese Frage lautet: „Was wird das neue Jahr bringen?“ Wenn wir ganz ehrlich sind und möglichst kurz antworten wollen, können wir sagen: „Niemand weiß es.“ Sicherlich haben die meisten von uns Wünsche, Vorstellungen, sogar schon Pläne, und ganz bestimmt auch schon einige Termine für das neue Jahr, die fest im Kalender eingeplant sind: Jubiläen, Jahrestage, Arzttermine usw.

Doch letztlich kann alles ganz anders kommen. Keiner weiß, was im neuen Jahr passieren wird. Keiner weiß, wer von uns im nächsten Jahr noch da sein wird. Umso passender ist unser heutiger Predigttext, der dieses Thema auf seine Weise an-schneidet. Jesus uns dazu auf, bereit zu sein. Und dazu erzählt Jesus ein Gleichnis aus der Umwelt seiner ersten Hörer. Er spricht von einem Herrn und von einem Hochzeitsfest und von dessen Dienern, die bereit sind, die ihn erwarten. Wir wollen ganz kurz über diesen Text schreiben:

Unser Herr kommt zu uns, um uns zu bedienen.

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1. Christtag 2018

Wahrscheinlich gibt es kein Ereignis im Leben eines Menschen, das größere Freude verbreitet als die Geburt eines Kindes. Wie oft haben wir es selbst erlebt oder folgende Szene auf unseren Bildschirmen verfolgt? Eine junge Mutter bei der Geburt und die Hebamme macht ihr Mut: „Noch einmal kräftig pressen!“ Ein aufgeregter/ besorgter/ verängstigter Vater steht daneben und erwartete das langersehnte Ereignis.

Und dann passiert es. Wir hören den ersten Schrei des Neugeborenen und das kleine Baby wird in Mamas zitternde Arme gelegt. Tränen der Freude fließen über ihre Wangen und feiert dieses erstaunliche, göttliche Geschenk des neuen Lebens. Papa schnappt sich sein Telefon und verbreitet die Geburt des Babys mit einem Fingerdruck in der ganzen Welt. Das Leben, ein neues Leben, ist es wert, gefeiert zu werden und Eltern können gar nicht anders, sie müssen ihre Freude mit anderen teilen.

Doch so groß die Freude über die Geburt eines Kindes auch ist, mal ehrlich, welcher Geburtstag wird nach mehr als 2.000 Jahren immer noch gefeiert? Bei uns Menschen ist das eher selten der Fall. Gelegentlich wird nach ein paar hundert Jahren noch an Jahrestage gedacht: diese Tage ist z. B. das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ 200 Jahre alt geworden; Karl Marx hat in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag gefeiert, aber sonst? Wer denkt noch an Geburtstage von Personen, die seit vielen Jahrhunderten, wenn nicht sogar Jahrtausenden nicht mehr bei uns sind? Bei Lieder, Ereignissen oder auch Institutionen (Staaten z. B.) kommt das vor, aber bei einzelnen Menschen?

Umso mehr stellt sich die Frage, was an Weihnachten, am Christfest, dem Tag der Geburt Jesu Christi so besonders, so einmalig ist, dass er bis heute in der ganzen Christenheit gefeiert wird. Das Weihnachtsevangelium, das wir gestern und heute gehört haben, der Bericht des Evangelisten Lukas richtet unseren Blick dabei vor allem darauf, wie Gottes Zusagen erfüllt werden. Der lange verheißene Retter, der Nachkomme Evas, Abrahams, Jakobs, Judas und Davids wurde in Bethlehem geboren. Der Evangelist Johannes richtet seinen Blick sozusagen auf die andere Seite des Weihnachtsfestes, das, was unseren menschlichen Blicken verborgen bleibt, was wir nur mit den Augen des Glaubens erkennen können. Er schaut in der Kraft des Heiligen Geistes auf das, was uns staunen lässt, was uns anbetend, lobend, preisend, singend und fröhlich auch nach über 2.000 Jahren Weihnachten feiern lässt. Gott kommt für uns in diese Welt.

1. Er kommt als einer von uns.

2. Er kommt für uns, damit wir seine Kinder werden.

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9. Sonntag nach Trinitatis 2018 – Abschlussgottesdienst Kinderrüste

Petrus ist einer dieser Jünger, die die Geister scheiden. Die einen mögen ihn, seine nassforsche Art, die Tatsache, dass er kein Geheimnis aus dem macht, was er denkt. Sie mögen seinen Mut, sein Draufgängertum. Andere wieder haben so ihre Probleme mit diesem Jünger und Apostel: wie oft redet er, ohne nachzudenken, wie oft passiert es, dass er einen erschreckenden Mangel an Einsicht, Verständnis und Erkenntnis zeigt.

Der Apostel Petrus, wie ihn uns die Evangelien schildern, ist eine schillernde Persönlichkeit – und er ist eine Persönlichkeit, in der wir uns alle wiederfinden können. Viele der Probleme, die wir mit unserem Glauben, mit unserem Christsein, mit unserem Leben haben, finden wir in ihm wieder, in seinen Fragen, in seinen Problemen. Und unser Heiland Jesus Christus geht auf diese Dinge ein, und beantwortet dadurch auch unsere Fragen, besänftigt unsere Ängste, zeigt uns unsere Schuld, nimmt unser Versagen weg. Petrus und Jesus, Zweifel und Gnade.

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3. Sonntag in der Passionszeit 2018: Okuli – Meine Augen

Die Sonntage in der Passionszeit gehören genau genommen gar nicht zur Passionszeit. Jeder Sonntag, jeder 1. Tag der Woche, ist ein kleines Osterfest … und das Licht von Ostern strahlt schon herüber: Der Herr ist auferstanden – Jesus lebt! Jesus ist bei uns als unser Erlöser!

Seit 2.000 Jahren ist die Welt mit Gott versöhnt. Durch seinen Gehorsam, seinen Tod, seine siegreiche Auferstehung. Das ist der Kern der frohen Botschaft. So bedingungslos liebt Gott diese Welt (Joh 3,16). Darum vergibt er Sünden. Darum ist er unter uns in seiner Gnade – wenn wir jetzt sein Wort hören und wenn wir dann das Abendmahl feiern. Wenn du diesen Worten vertraust, dann gehört es dir: Dann ist der Himmel dein. Durch Christus. Durch den Glauben an ihn. So einfach ist das.

Unser Text zeigt uns nun die Folgen. Gott macht uns das größte Geschenk aller Zeiten. Er hat uns in Christus alle unsere Schulden erlassen. Und nun schickt er seinen Apostel und erinnert uns daran und ermuntert uns dazu, im Licht seiner Gnade zu leben. Lebt als Kinder des Lichts!

1. Ahmt Gottes Liebe nach!

2. Meidet das Böse!

3. Bleibt im Licht seiner Gnade!

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Sexagesimä: 60 Tage vor Ostern 2018

Wie gehen wir als Christen mit Leid um? Wie gehen wir damit um, wenn wir oder jemand, der uns am Herzen liegt, in Not geraten? Die Bibel nimmt sich dieses Themas immer wieder an. Als Christen sollen und wollen wir lernen durch die Brille von Gottes Wort auf Nöte, Sorgen und Probleme unseres Lebens zu schauen. Viele Menschen, nehmen schlimme Ereignisse als Anlass, um zu fragen, wie Gott so etwas zulassen könne, wenn es ihn denn gäbe.

Doch diese Frage ist falsch gestellt. Wir können nicht fragen „Warum?“, denn damit schwingen wir uns zu Gottes Richtern auf. Es ist wichtig, dass wir lernen zu fragen: „Wozu?“. Wir werden nicht erfahren, warum Gott Not zugelassen hat, Erdbeben, Anschläge u.a. Katastrophen, aber wir können eines lernen. Wir können fragen lernen: „Warum hat Gott uns verschont?“ Not oder Katastrophen sind kein Hinweis darauf, dass die unmittelbar Betroffenen schlimmere Sünder wären als andere Menschen. Nein, Not ist ein Zeichen des Zorns Gottes über die sündigen Menschen im Allgemeinen: Wir hätten dasselbe Schicksal verdient.

Unser heutiger Predigttext zeigt uns aber auch noch eine andere Seite des Leidens und der Not. Sie sind auch ein Zeichen der Liebe Gottes zu seinen Kindern. Gott verfolgt mit unserem Leben einen Zweck. Wie bei der Erziehung, ist er dazu genötigt auch schmerzhafte Mittel einzusetzen, um sein Ziel mit uns zu erreichen. Der Apostel Paulus zeigt uns in unserem heutigen Predigttext am eigenen Beispiel, wie Gott in unserem Leben vorgeht und wie wir darauf reagieren sollten: Ein Christ ist auch in schwerer Not getrost und dankt Gott, …

1. … weil Gott auch mit der Not eine gute Absicht verfolgt.

2. … weil Gottes Kraft gerade in den Schwachen mächtig ist.

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2. Sonntag nach Epiphanias 2018

Alles fängt einmal klein an. Der größte Baum hat als Samenkorn angefangen, selbst der stärkste Mensch beginnt sein Leben als Säugling, ja eigentlich als befruchtete Eizelle im Leib seiner Mutter. Auch die größten und mächtigsten Flüsse unseres Planeten entspringen als kleine Quellen in den Gebirgen dieser Welt.

Ganz ähnlich ist es auch mit unserem christlichen Leben. Nachdem wir zum Glauben gekommen sind, nachdem wir Gottes Kinder geworden sind, steht die große Wahrheit im Raum: „Ihr seid das Licht der Welt! Ihr seid das Salz der Erde!, damit die Menschen eure guten Werke sehen und euren himmlischen Vater preisen.“ So sagt es Jesus über uns in der Bergpredigt. So sind wir.

Doch woher kommt das christliche Leben? Was ist seine Quelle? Unser heutiger Predigttext macht uns deutlich, dass unser Leben aus dem Wort unseres Herrn Jesus Christus fließt und dadurch auch ständig erneuert wird, wie einem Fluss aus seiner Quelle ständig neues Wasser zufließt. Das ist alles ist, wie Gottes Gnade, ein unverdientes Geschenk Gottes. Genauso steht es auch mit der Frucht des Geistes in unseren Herzen und ihrem Verhalten in unserer Welt. Lasst uns heute gemeinsam über Herzen voller Gnade reden. Paulus zeigt uns:

1. Die Quelle dieser Gnade.

2. Das Aussehen der Herzen.

3. Das Verhalten solcher Herzen.

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