Sermons on “Menschwerdung”

1. Christtag 2019: Die Herberge und die Krippe

„Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind, auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind“, so lautet eins der bekannteren deutschen Weihnachtslieder. „Alle Jahre wieder“ macht uns dabei auch eins deutlich: jedes Jahr zu Weihnachten wiederholen sich Dinge: eine mehr oder wenige hektische Adventszeit, die oft genug schon als Weihnachtszeit begangen wird, der Baum, das Weihnachtsessen, die Geschenke. In vielen Familien gibt es viele – schöne und liebgewonnene Weihnachtstraditionen – die sich seit Jahrzehnten genauso wiederholen und zum Fest einfach dazugehören. Ohne sie wäre Weihnachten für viele kein Weihnachten.

Das trifft auch auf den Bibeltext zu, den wir vorhin gerade noch einmal gehört haben. Ganz gleich ob im Weihnachtsoratorium, in einer Weihnachtsgala oder im Krippenspiel der Kinder, dieser Text ist der Weihnachtstext schlechthin, denn er berichtet ja von der Geburt des Christkindes, dem wir dieses Fest verdanken. Ohne Jesus, ohne den Bericht über seine Geburt, den Lukas uns aufgeschrieben hat, gäbe es kein Christfest, wäre es nicht Weihnachten.

Ihr wisst natürlich auch, worin die Gefahr altvertrauter Worte liegt, selbst wenn sie zum Fest dazugehören. Es ist die große Gefahr, dass wir auf Autopiloten schalten, denn schließlich wissen wir ganz genau, was kommt. Wenn es also, alle Jahre wieder, heißt: „Es begab sich aber zu der Zeit…“, dann wissen wir was kommt und die Versuchung ist, dass wir nicht mehr richtig zuhören. Deshalb wollen wir heute zwei wenig beachtete Worte aus der Weihnachtsgeschichte herausgreifen und uns von ihnen an die Hand nehmen lassen, um die Freude und den Trost der Weihnachtsgeschichte neu zeigen zu lassen: Die Herberge und die Krippe erfreuen und trösten uns.

1. Die Herberge und die Weihnachtsfreude.

2. Die Krippe und der Weihnachtstrost.

Mehr

Heiligabend 2016

In den Wochen vor Weihnachten pflegen wir die unterschiedlichsten Tradi-tionen, die sich von Familie zu Familie unterscheiden. Da gibt es den Adventskranz, der mit seiner zunehmenden Anzahl von Lichter zeigt, wie viele Sonntage es noch bis zum Weih-nachtsfest sind. Oder, besonders bei Kindern beliebt, der Adventskalender. Den gibt es mit Türchen, Socken, Sternen oder kleinen Tüten. Jeden Tag wird eines davon aufgemacht und die Kinder wissen ganz genau, wie viele Tage es noch bis Weihnachten sind.
Am Heiligabend wird nach der Christvesper beschert und dann gibt es was zu essen. Auch da gehen die Bräuche weit auseinander. Die einen essen Mittag Linsen mit Bratwurst und abends gibt es Hase, Gans, Ente oder Pute mit Klößen und Rotkohl. Bei anderen ist Kartoffel-salat mit Würstchen Tradition. Als ich Kind war, haben wir erst am ersten Feiertag beschert, früh, vor dem gemeinsamen Frühstück, wo der Christstollen angeschnitten wurde, ehe wir zum Gottesdienst gegangen sind.

Am Weihnachtsmorgen ziehen wir uns festlich an, und ziehen los, um die Geburt unseres Königs zu feiern. Der Nachmittag gehört der Familie. Am zweiten Feiertag feiern wir noch einmal im Gottesdienst Weihnachten. Mittags gibt es dann die reichlichen Reste vom Vor-tag. Wir rufen die Lieben an, die wir am ersten Feiertag nicht gesehen oder von denen wir nichts gehört haben. Wir nutzen den freien Tag für einen ausgiebigen Mittagsschlaf.

All unsere Advents- und Weihnachtsbräuche – und ich bin mir sicher, dass viele von ihnen noch ein paar beisteuern könnten – unterscheiden sich so grundlegend davon, wie das Leben Jesu nach Weihnachten aussah. Ich staune jedes Mal aufs Neue, wenn ich die Worte lese, die der Heilige Geist durch den Apostel Johannes aufgeschrieben hat: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ Ich staune über Gottes Liebe, weil er sein Zuhause, seine Wohnung bei seinem Volk aufschlägt. Freiwillig verlässt Gottes Sohn seine Herrlichkeit, lässt die Regie-rung des Universums, das Lob und den Dienst der Engel, alle Annehmlichkeiten, Ehre und Reichtümer, die ihm zustehen, hinter sich, um in unserer Welt zu leben.

Mehr