15. Sonntag nach Trinitatis 2018

Schon die Kinder in der Schule lernen, was für ein Wunderwerk der menschliche Körper ist. Die vielen unterschiedlichen Teile, aus denen er besteht, die zusammenarbeiten, um unseren Alltag möglich zu machen. Schauen wir doch nur auf unsere Hände. Wie viele Gelenke, Muskeln und Sehnen sind nötig, damit wir ohne Probleme z. B. ein Glas Wasser ergreifen und daraus trinken können. Oder denken wir an unsere Beine. Wie viel gehört dazu, dass ein Mensch steht oder läuft, geschweige denn rennt.
Doch was Kinder meist als selbstverständlich hinnehmen, weil alles bestens funktioniert, wird – je älter wir werden – immer weniger selbstverständlich. Und selbst Kinder können erkennen, dass Wasser trinken, Stehen, Laufen oder Rennen alles andere als selbstverständlich sind, wenn sie ein kleines Geschwisterchen haben, dass diese Dinge gerade mühsam erlernt und dabei Wasser verschüttet, hinfällt oder nicht so richtig vom Fleck kommt.

Wir, die wir älter werden, müssen erkennen, dass es passieren kann, dass diese Dinge nicht mehr so gut zusammenarbeiten, wie das vielleicht früher einmal der Fall war. Wenn man jünger ist, muss man nicht über diese Dinge nachdenken. Damals lief alles ohne Probleme, die einzelnen Körperteile arbeiteten reibungslos zusammen. Wenn ein junger Mensch losrennen wollte, konnte er das einfach tun. Jetzt sieht das etwas anders aus. Jetzt ist er alt geworden und wenn er lossprinten will, dann muss er sich als erstes eingestehen, dass das Wort „schnell“ für ihn eine ganz andere Bedeutung bekommen hat. Doch dann muss er sich eingestehen, dass er vorsichtig sein muss. Er muss überlegen, ob das mit dem losrennen überhaupt noch eine gute Idee ist oder ob er einfach hinfällt. Er stolpert nicht, er fällt einfach um, denn die einzelnen Teile seines Körpers arbeiten nicht mehr richtig zusammen, so wie früher.

Es ist beinahe so, als würden sie nicht mehr miteinander reden. Die Arme sagen: „Füße, was macht ihr da!“ Und die Knie sagen: „He, wir wollen uns nicht mehr soweit beugen!“ Der Körper besteht aus Teilen, die miteinander reden müssen, die zusammenarbeiten müssen, um gut zu funktionierten. Und genau aus diesem Grund gibt es viele ältere Menschen, die nie wieder rennen wollen.

Unser Textabschnitt vom Ende des Galaterbriefes redet uns als „Brüder und Schwestern“ an. Unter anderem redet Paulus dann davon, dass wir füreinander unsere „Lasten“ tragen sollen. Solche und ähnliche Ausdrücke finden wir immer wieder in Gottes Wort. Wir sind „in Christus“ heißt es etwa im Römerbrief. Durch die Taufe sind wir mit ihm verbunden. Und sowohl an die Römer als auch an die Korinther schreibt Paulus, dass wir alle Glieder an einem Leib sind.

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