Heiligabend 2016

In den Wochen vor Weihnachten pflegen wir die unterschiedlichsten Tradi-tionen, die sich von Familie zu Familie unterscheiden. Da gibt es den Adventskranz, der mit seiner zunehmenden Anzahl von Lichter zeigt, wie viele Sonntage es noch bis zum Weih-nachtsfest sind. Oder, besonders bei Kindern beliebt, der Adventskalender. Den gibt es mit Türchen, Socken, Sternen oder kleinen Tüten. Jeden Tag wird eines davon aufgemacht und die Kinder wissen ganz genau, wie viele Tage es noch bis Weihnachten sind.
Am Heiligabend wird nach der Christvesper beschert und dann gibt es was zu essen. Auch da gehen die Bräuche weit auseinander. Die einen essen Mittag Linsen mit Bratwurst und abends gibt es Hase, Gans, Ente oder Pute mit Klößen und Rotkohl. Bei anderen ist Kartoffel-salat mit Würstchen Tradition. Als ich Kind war, haben wir erst am ersten Feiertag beschert, früh, vor dem gemeinsamen Frühstück, wo der Christstollen angeschnitten wurde, ehe wir zum Gottesdienst gegangen sind.

Am Weihnachtsmorgen ziehen wir uns festlich an, und ziehen los, um die Geburt unseres Königs zu feiern. Der Nachmittag gehört der Familie. Am zweiten Feiertag feiern wir noch einmal im Gottesdienst Weihnachten. Mittags gibt es dann die reichlichen Reste vom Vor-tag. Wir rufen die Lieben an, die wir am ersten Feiertag nicht gesehen oder von denen wir nichts gehört haben. Wir nutzen den freien Tag für einen ausgiebigen Mittagsschlaf.

All unsere Advents- und Weihnachtsbräuche – und ich bin mir sicher, dass viele von ihnen noch ein paar beisteuern könnten – unterscheiden sich so grundlegend davon, wie das Leben Jesu nach Weihnachten aussah. Ich staune jedes Mal aufs Neue, wenn ich die Worte lese, die der Heilige Geist durch den Apostel Johannes aufgeschrieben hat: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ Ich staune über Gottes Liebe, weil er sein Zuhause, seine Wohnung bei seinem Volk aufschlägt. Freiwillig verlässt Gottes Sohn seine Herrlichkeit, lässt die Regie-rung des Universums, das Lob und den Dienst der Engel, alle Annehmlichkeiten, Ehre und Reichtümer, die ihm zustehen, hinter sich, um in unserer Welt zu leben.

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