Sermons on “Jesus”

4. Advent 2024: Warten auf Jesus.

Vorweihnachtszeit heißt „Wartezeit“. Zumindest die Kinder unter uns würden das sicherlich unterschreiben. Manchmal scheint die Zeit geradezu „stillzustehen“. Wann ist denn endlich Weihnachten?

Erwachsene sehen das – naturgemäß – ganz anders. War gestern nicht gerade noch der 1. Advent? Wo ist die Zeit hin? Nur noch zwei Tage, dann ist schon Heiligabend. Warten müssen wir unserem Leben alle, aber die Wartezeit vergeht auch unterschiedlich schnell, zumindest kommt es uns so vor.

Gottes Wort zeigt uns, dass Gottes Volk schon immer ein Volk war, das wartete. Seit dem Sündenfall Adams und Evas im Garten Eden hat Gott sein Versprechen zu einem Versprechen für die Zukunft gemacht (1. Mose 3,15). Das gesamte Alte Testament ist auf einen Tag in der Zukunft ausgerichtet, auf den die Kinder Gottes warten müssen. Als Eva ihren ersten Sohn, Kain, in den Armen hielt, da hoffte sie, dass die Wartezeit vorüber sei: „Ich habe den Mann, den HERRN.“

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1. Advent 2024: „Der Tag wird kommen …“

Mancher von euch ist vielleicht Fußballfan, aber es läuft gerade nicht so gut für seine Mannschaft. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es der örtliche Verein aus dem Nachbardorf oder ein großer Fußballbundesligist ist. Wenn es auf der Tabelle immer weiter abwärts geht, wenn die Tore immer nur für die gegnerische Mannschaft fallen, sagen echte Fans doch: „Da ist immer noch nächstes Jahr.“ „Der Tag wird kommen …“

Die Kinder in der Schule haben gerade viel zu tun, Tests, Klausuren, Klassenarbeiten folgen dicht auf dicht, denn nach den Weihnachtsferien bleiben im ersten Halbjahr nur noch wenige Wochen Zeit, ehe die Zensuren für das Halbjahreszeugnis feststehen müssen. Die Kinder haben es fast geschafft. Ja, es gibt noch viel zu tun, ob es nun darum geht, Dinge einzureichen oder die Noten zu erfahren. Aber wir schaffen das, oder? „Der Tag wird kommen.“

Seit Längerem geht es in unserem Land bergab. Kleine Unternehmen gehen pleite, große Unternehmen wandern ab. Jeden Tag können wir davon hören, wie viele Stellen abgebaut werden sollen. Die Preise scheinen nur noch eine Richtung zu kennen, nach oben. Und Politiker aller Art versprechen uns, dass es besser wird, wenn sie erst das Sagen haben. „Der Tag wird kommen.“

Jeder von uns könnte hier an dieser Stelle seine eigene Geschichte erzählen, von dem Hamsterrad auf Arbeit, von Problemen in der Familie – Streit, Krankheit –, von ganz eigenen Schwierigkeiten mit der Gesundheit, Kraft, Freunden usw. All die Dinge, die uns anstrengen, die Kraft aussaugen. Erschöpfte Menschen hören oft einen Satz wie diesen, dass „der Tag kommen wird“. Das ist vielleicht das, was ihnen am häufigsten gesagt wird. Das kann nicht ewig so weitergehen. Irgendwann wird es wieder bergauf gehen. Halte einfach durch. „Der Tag wird kommen.“

Der Prophet Jeremia hatte allen Grund, müde zu sein, ebenso wie diejenigen, mit denen er sprach und denen er schrieb. Was sie erlebten und durchmachen mussten, waren neue Tiefpunkte für Gottes auserwähltes Volk. Das Land Juda war verwüstet worden. Seine Bewohner waren von den Armeen der Babylonier ins Exil geschickt oder getötet worden. Tempelgottesdienste gab es nicht mehr, denn der Tempel war zerstört worden. Wie die Hauptstadt Jerusalems lag in Trümmern. Viele sprachen für Gott, aber sie sagten nicht die Wahrheit.

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Ewigkeitssonntag 2024: Wir sehen Jesus und zwar Jesus allein.

„Bin ich im falschen Film?“, so hat sich vielleicht mancher von Euch gerade gefragt, als er den Predigttext gehört hat. „Ist das nicht ein Text für Karfreitag? Aber ich hab‘ doch im Laden noch gar keine Osterhasen gesehen? Steht nicht gerade alles voller Weihnachtsnaschereien? Feiern wir nicht nächsten Sonntag den 1. Advent?“ Ja, ihr habt recht. Aber gerade deswegen ist es gut und sinnvoll, diesen Text heute, am Ewigkeitssonntag einmal näher zu betrachten, weil sich unser Blick am Karfreitag auf ganz andere Dinge richtet, bzw. weil wir den Text aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.

Natürlich soll es auch heute um Jesus und sein Kreuz gehen, denn er ist der Mittelpunkt der ganzen Heiligen Schrift. Jede Seite redet über Jesus, wer er ist und was er für uns getan hat. Doch am heutigen Ewigkeits- oder Totensonntag wollen wir die Ereignisse am Karfreitag und ihre Bedeutung für uns einmal von dieser Seite aus betrachten, dem Blickwinkel der Ewigkeit oder des ewigen Lebens und der neuen Schöpfung.

Denn dieses ewige Leben, die neue Welt Gottes hat ihren Anfang an jenem Freitag vor 2.000 Jahren genommen, auf einem kleinen, unscheinbaren Hügel vor den Toren Jerusalems: Golgatha! Was sehen wir, wenn wir dort auf das Kreuz schauen? Wir sehen Jesus, und zwar Jesus allein:

1. in dem Spott über ihn – seine Herrlichkeit,

2. in ihm selbst – sein Reich,

3. in seinem Tod – seinen Sieg.

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5. Sonntag nach Trinitatis 2024: Alles dreht sich um das Kreuz Jesu.

Manchmal fällt es uns schwer Dinge einzuordnen. Wir hören von einem Vorfall, einem Unfall, einem Verbrechen, der Verhaltensweise eines Menschen – und dann sind wir schnell mit einem Urteil zur Hand. Doch erst hinterher wird deutlich, dass alles ganz anders war. Es kommen neue Einzelheiten ans Licht, die uns helfen Vorgänge richtig einzuordnen und zu beurteilen.

Mit vielen biblischen Berichten geht es uns ähnlich, gerade im Alten Testament. Mit unseren modernen Augen und Ohren betrachtet, erscheint uns vieles als grausam, blutig, finster – unverständlich. Und dann stellen wir schnell die Frage nach der Liebe Gottes. Viele Christen haben heute große Probleme mit dem Alten Testament. Sie sehen schon beinahe zwei Götter, den zornigen des Alten und den lieben Gott des Neuen Testaments. In unserem heutigen Text wollen wir sehen, worin der Schlüssel liegt, um Gottes Wort richtig zu verstehen: Alles dreht sich um das Kreuz Jesu.

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Palmarum 2023: Jesus zieht in Jerusalem ein.

Mit dem heutigen Sonntag, dem Sonntag Palmarum oder Palmsonntag, stehen wir am Anfang der Karwoche. Es ist die Woche, in der wir den Höhepunkt des Leidens und Sterbens unseres Herrn bedenken. Es ist die Woche, auf die alle Evangelien hinarbeiten. Allein Matthäus, der unser heutiges Sonntagevangelium geschrieben hat, widmet dieser Zeit das letzte Drittel seines Evangeliums. Lukas und Markus tun es ihm gleich.

Bei Johannes ist das noch viel ausgeprägter. Letzten Sonntag haben wir den Bericht von der Auferweckung des Lazarus gehört. Jesus kommt und tröstet die traurigen Schwestern, Martha und Maria, erst durch die Verheißung des ewigen Lebens, dann indem er zeigt, dass er auch über den Tod Herr ist – er ruft Lazarus aus dem Grab heraus. Das war im 11. Kapitel. Mit dem Beginn von Kapitel 12 beginnt die eigentliche Leidensgeschichte unseres Herrn. Beinahe die Hälfte seines Evangeliums widmet Johannes dem Leiden und Sterben des Herrn, sowie seiner Auferstehung am Ostersonntag.

Doch auch die Art und Weise wie die vier Evangelisten durch den Heiligen Geist davon berichten unterscheidet sich. Die ersten drei – Matthäus, Markus und Lukas – sind sich hier sehr ähnlich. Doch Johannes bietet uns einen anderen Blickwinkel. Ja, sie berichten alle dasselbe Ereignis, aber sie unterscheiden sich, wann und vor allem wie sie das tun, voneinander. Und deshalb schätze ich den Bericht des Johannes über den Einzug Jesu in Jerusalem. Beachte, wie sehr sich Johannes von den anderen Evangelienschreibern unterscheidet.

Nicht nur, dass dieses Evangelium den Grund für den Namen dieses Sonntags nennt. Die Zweige, von denen auch die anderen berichten, sind Palmzweige, Zeichen des Sieges und der Freude. Wichtiger ist jedoch folgendes: In allen anderen Evangelien berichten die Evangelisten über das Ereignis, wie es sich entwickelt hat. Da hören wir von der Anweisung Jesu an seine Jünger, ihm das Eselsfohlen zu bringen, von dem Gehorsam der Jünger, die hingehen und tun, was ihnen Jesus gesagt hat. Wir hören von der Erfüllung der Weissagung, aus dem Alten Testament: „Der König Israels, der kommt, im Namen des Herrn.“ Wir erleben das Verhalten des Volkes, ihren Jubel einerseits und ihr Nichtverstehen andererseits. Wir erleben die Reaktion der Mächtigen, der Pharisäer, Schriftgelehrten und Priester. Sie lehnen Jesus ab. Sie wollen ihren Mordplan – den sie nach der Auferweckung des Lazarus endgültig gefasst hatten – in die Tat umsetzen, aber sie fürchteten sich vor der Reaktion des Volkes.

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Invokavit 2023: Die erste Schlacht des Heilands mit dem Erzfeind.

Unser heutiger Predigttext schließt sich unmittelbar an die Taufe Jesu an. Mit reichlich dreißig Jahren war Jesus aus Nazareth weggegangen, um sein öffentliches Wirken zu beginnen. Sein erster Weg führte ihn an den Jordan. Dort ließ er sich taufen und trat dadurch an unsere Seite, um uns zu erlösen. Die öffentliche Erscheinung der anderen beiden Personen der Dreieinigkeit macht das deutlich. Der Heilige Geist erschien in Form einer Taube und Gott der Vater sprach vom Himmel zu seinem Sohn:

„Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Gott zeigt seine Freude über seinen Sohn, der auf ihn hört, der ihn liebt und die gefallene Schöpfung erlöst. Unmittelbar im Anschluss an die Taufe berichtet uns Matthäus von der Versuchung Jesu durch den Teufel, die wir heute gemeinsam betrachten wollen: Die erste Schlacht des Heilands mit dem Erzfeind.

1. Wir standen auf dem Spiel.

2. Versuchung ist die Angriffswaffe.

3. Gottes Wort ist die Siegeswaffe.

4. Die Siegesbeute gehört uns.

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Neujahrsfest 2021: Das neue Jahr gehört zur Christuszeit.

Türen sind dazu da, damit man hindurchgehen kann: in eine Stadt, ein Haus oder ein Zimmer. Was ist unbedingt notwendig, wenn ich durch eine Tür gehen will? Komische Frage, richtig? Logischerweise kann man nicht durch eine Tür gehen, solang sie verschlossen ist. Dieses Bild von der offenen Tür, durch die man hindurchgehen kann, lässt sich auf unseren ersten Predigttext im neuen Jahr anwenden.

Jetzt, seit Weihnachten, ist die Zeit, in der wir bei Gott willkommen sind (2. Kor 6,2), es ist das „Gnadenjahr des Herrn“ (Lk 4,19; Jes 61,2). Seit Christus kam und mit ihm „der Glaube“ stehen bei Gott die Türen offen. Damit ist auch dieses neue Jahr, das sich äußerlich nicht von anderen Jahren unterscheidet, für uns als Gnadenjahr gedacht, als ein Jahr der offenen Tür. Lasst uns heute gemeinsam bedenken: Das neue Jahr gehört zur Christuszeit. Wir sind

1. durch ihn befreit.

2. mit ihm verbunden.

3. in ihm geeint.

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Altjahresabend 2021: Eine großartige Art und Weise Dinge zu beenden.

Unser heutiger Text ist die Geschichte von Maria und Josef, die das Jesuskind im Tempel darstellen, und die Geschichte von Simeon und Hanna. Wie wir sehen werden, ist das, was in dieser Geschichte geschieht, „eine großartige Art, Dinge zu beenden“. Und das gilt nicht nur für die beteiligten Personen, sondern auch für uns.

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Invokavit: „Er ruft zu mir“ – 2021: Hinaus in die Wüste

Heute ist der erste Sonntag in der Fastenzeit. Das heutige Evangelium berichtet von der Versuchung Christi in der Wüste. Unser Predigttext hält uns die weniger bekannte Version nach Markus vor Augen. Es ist der kürzeste und knappste dieser drei Berichte, der uns trotzdem viel zu sagen hat. Begleiten wir also unseren Herrn „in die Wüste“. Markus schreibt:

„Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste; und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan und war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.“

Jesus kommt an den Jordan, wird vom Täufer getauft, der Heilige Geist kommt auf ihn herab, um ihn als den Christus zu salben, und die Stimme des Vaters sagt zu Jesus:

„Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“

Vom Geist bevollmächtigt, vom Vater bestätigt – Jesus ist startklar! Es gibt viel zu tun: predigen, lehren und heilen. Lasst uns loslegen. Doch halt! Zuerst passiert etwas. Etwas, das man nicht erwarten würde.

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