Sermons on “Johannesevangelium”

5. Sonntag nach Ostern – Rogate: „Bittet!“ – Wir sind Gottes Freunde.

Was macht einen Christen aus? Woran erkenne ich einen Christen? Diese Frage lässt sich verschieden beantworten. Wir können auf die Dinge schauen, die ein Christ tut. Um nur ein Beispiel herauszugreifen, wie es dieser Sonntag und andere Sonntage tun: Christen beten. Beten ist Reden mit Gott, das Gespräch der Gläubigen Seele mit Gott, daran kann man einen Christen erkennen.
Aber, dieses Kennzeichen ist nicht eindeutig, denn es beten viele Menschen: Moslems, Hindus, Buddhisten, sogar Menschen, die von sich behaupten, an nichts und niemanden zu glauben, beten manchmal, weil sie meinen, es könne zumindest nichts schaden. Wer weiß schon, ob es nicht doch einen Gott oder ein höheres Wesen gibt, dass meine Gebete hört.

Es reicht also nicht zu fragen, was wir tun. Viel wichtiger ist die Frage nach dem „Warum?“. Warum tun wir das, was wir als Christen tun? Was sind unsere Beweggründe? Warum beten? Warum beten wir zu dem dreieinigen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist? Und damit kommen wir zur eigentlichen Frage: Warum sind wir Christen? Warum bist du Christ?

Was antworten wir uns selbst? Was antworten wir unseren Mitmenschen: Freunden, Familienmitgliedern, Arbeitskollegen, Bekannten, Schulkameraden, Kindergartenfreunden? Nun, ich muss gestehen, die Antwort, die unser Text gibt, wäre nicht die erste Antwort gewesen, die mir in den Sinn kommt. Auch wenn unser Text sich nicht zuerst mit der Frage nach dem Gebet beschäftigt, beantwortet er doch unsere Frage nach dem „Warum?“.

Die Antwort, die mir sicherlich nicht als erste in den Sinn gekommen wäre – vielleicht geht es euch ja ähnlich – lautet: „Weil Jesus mein Freund ist“. Normalerweise würde ich anfangen zu erklären, was es bedeutet, ein Christ zu sein. Fragt mich ein Freund oder Bekannter, warum ich bete, dann versuche ich ihm zu erklären, was wir glauben. Doch vielleicht habe ich vergessen, über etwas viel Wichtigeres zu sprechen. Ich habe ihm nicht gesagt, dass „Jesus mein Freund ist“.

Warum denke wir oft nicht in diesen Begriffen? Ja, warum erscheint es uns schon beinahe seltsam, so von Jesus, so von Gott zu reden

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4. Sonntag nach Ostern: Kantate – „Singt dem Herrn ein neues Lied“ – Bleibt in mir.

Betonung ist wichtig! Das lernen Kinder spätestens, wenn es in der Schule darum geht, einen Text vorzulesen oder ein Gedicht vorzutragen. Ohne Betonung wird es langweilig; ich kann einem Text nur sehr schwer folgen. Diese Tatsache machte es lange Zeit sehr anstrengend, einem Computer zuzuhören, der einen Text „vorgelesen“ hat.

Betonung ist wichtig! Das kann soweit gehen, dass im Deutschen die Betonung eines Wortes über dessen Bedeutung entscheidet. Ein Fußgänger kann ich umfahren oder ich kann ihn umfahren. Fahre ich um den Fußgänger herum oder fahre ich ihn über den Haufen? Ein- und dasselbe Wort, andere Betonung, gegensätzliche Bedeutung.

Das gilt auch für unseren heutigen Predigttext. Was betonen wir hier? Besser gesagt, was betont Jesus in diesen Worten aus seiner Abschiedsrede am Gründonnerstagabend?

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3. Sonntag nach Ostern: Jubilate – „Jauchzt dem Herrn“: Die Freude, die uns keiner nehmen kann.

„Jubilate!“ – Jubelt! Freut euch! So könnte man den Namen des heutigen Sonntags übersetzen:

Ps 100,1f: „Jauchzet dem HERRN, alle Welt! Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!“

So beginnt der 100. Psalm, die alttestamentliche Lesung für den heutigen Sonntag. Wir können, wir dürfen, ja, wir sollen jubeln, jauchzen und uns freuen. Dazu sind wir als Christen aufgerufen. Doch ist das wirklich so? Sind wir immer fröhlich? Jauchzen wir ständig oder wenigstens häufig. Wohl kaum. Auch Christen haben Grund, traurig zu sein: sie sind einsam, krank, ja, sie sterben.

Doch es ist besser, wir fragen: Haben wir Christen Grund zur Freude? Haben wir Grund immer und überall fröhlich zu sein? Ja, den haben wir. Jesus sagt es uns in unserem Predigttext. Eine Freude, die uns niemand nehmen kann! Was für ein Gedanke. Wir müssen alles über diese Freude wissen. Lasst uns heute gemeinsam betrachten:

Die Freude, die uns keiner nehmen kann.

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Gründonnerstag: Die Einsetzung des heiligen Abendmahls 2021 – Jesus ist der Gott, der sich die Hände schmutzig macht.

Es gibt einen Brauch in der katholischen Kirche, der wohl vielen Menschen in den Sinn kommt, wenn sie diese Worte aus dem Johannesevangelium hören – auch wenn dieser Brauch zu den letzten beiden Osterfesten ausfallen musste: Der Papst geht ins Gefängnis und wäscht Gefangenen die Füße. Das ist wohl das Erste, was vielen Menschen einfällt, wenn sie diesen Text hören. Das macht aber auch die große Gefahr deutlich, die mit diesem Text verbunden ist.

Was ist die große Gefahr bei Bibeltexten wie dem Evangelium des heutigen Festtages? Die große Gefahr solcher Texte besteht darin, dass wir sie zu einer Moralerzählung umdeuten. Unser Blick richtet sich nur noch und ausschließlich auf das, was wir tun sollen. Jesus sagt, dass er uns ein Beispiel gegeben hat. Nun ist das nicht falsch. Denn genau das hat Jesus ja gesagt. Nachdem er seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, auch dem widersprechenden Petrus und dem verräterischen Judas, erklärt er es seinen Jüngern noch einmal eindeutig. Er wird von ihnen Herr und Meister genannt – und das zu Recht. Und ja, Jesus ist tatsächlich unser Vorbild, wenn es darum geht, wie wir hier in dieser Welt leben sollen.

Doch wenn wir nur noch darauf schauen, wenn wir nur noch fragen, wie wir als Kinder Gottes in dieser Welt zu leben haben, dann wird es verkehrt. Dann verwandeln wir die gute Nachricht dieses Tages, die frohe Botschaft der Heiligen Schrift, in eine Last, ein Gesetz, die es zu tragen, das es zu erfüllen gilt. Und so wollen wir zuallererst den Blick auf Jesus richten, um zu sehen, was er für uns tut, denn Jesus ist der Gott, der sich die Hände schmutzig macht.

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Palmarum: Palmsonntag 2021 – Maria zeigt Jesus die Dankbarkeit für die Erlösung.

Die Frau, die in unserem heutigen Predigttext eine wichtige Rolle spielt, ist keine Unbekannte. Es handelt sich um Maria, die Schwester von Marta Lazarus, aus Bethanien, nur eine halbe Stunde von Jerusalem entfernt. Das war ein Haus, in dem Jesus immer willkommen war.

Zweimal ist uns Maria im Lukasevangelium begegnet. Einmal zu Jesu Füßen, als sie alles stehen und liegen ließ, zum Ärger ihrer Schwester Martha, um auf Jesus zu hören. Das andere Mal, als Jesus kommt, um die beiden zu trösten, weil ihr Bruder Lazarus gestorben war – und im Anschluss daran seine Herrlichkeit zu beweisen, indem er ihn wieder lebendig machte.

Und in der Passionsgeschichte? Eine Woche vor Jesu Leiden und Sterben? Wo finden wir da diese Maria – wieder bei Jesus. Maria zeigt Jesus ihre Dankbarkeit für die Erlösung.

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Lätare: „Freut euch mit dem Volk Gottes“ 2021 – Es ist atemberaubend, wie sehr Gott uns liebt.

Unser heutiger Predigttext gehört wohl zu den bekanntesten Bibelversen überhaupt. Gerade in christlichen Kreisen ist er so bekannt, dass man ihn gar nicht mehr anführen muss. Mancher sagt nur „316“ und viele Christen wissen, was gemeint ist.

Deswegen trägt dieser Vers von alters her noch einen anderen Namen, das Evangelium in nuce, d. h. wörtlich: „Das Evangelium in einer Nuss.“ Dieser eine Vers enthält alles, was wir brauchen, um gerettet zu werden.

Gibt es an einem Sonntag, der den Namen Lätare trägt und uns zur Freude aufruft, einen besseren Text? Diese wenigen Worte erscheinen auf den ersten Blick unscheinbar und doch sind sie atemberaubend. Lasst uns heute gemeinsam bedenken: Es ist atemberaubend, wie sehr Gott uns liebt!

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Okuli: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“ 2021 – Wenn das Lamm wie ein Löwe brüllt.

Habt ihr schonmal ein Lamm brüllen hören wie einen Löwen? Oder habt ihr jemals einen Löwen gesehen, der wie ein Lamm schweigt? Heute kommt unser Herr in seinen Tempel. Das Haus seines Vaters ist zu einem Haus der Waren, des Geldes und des Handels geworden. Und das Lamm brüllt! Mit Stricken in der Hand vollbringt der Erlöser ein fremdes Werk. D. h. er, der gekommen ist, um Gnade und Wahrheit zu bringen, bringt heute das Gesetz. Jesus, der den Tempel reinigt, gleicht eher Moses auf dem Berg Sinai.

Das Passahfest der Juden steht vor der Tür und die Juden haben das Haus seines Vaters zu einem Kaufhaus gemacht, wo sie Handel trieben. Womit haben sie gehandelt? Mit Geld? Ziegen? Lämmern? Ochsen? An dieser Stelle setzt Jesus an. Er stößt die Tische der Händler um. Er lässt die Tiere laufen. Er vertreibt sie alle aus dem Tempel. Er vertreibt sie aus dem Haus seines Vaters.

Wer ist Jesus, dass er so etwas tut? Das ist die Frage, die ihm von den Juden gestellt wird. „Wer denkst du, wer du bist, Jesus, dass du hier hereinkommst, als hättest du irgendein Recht oder die Macht so aufzutreten, und diesen heiligen Ort zu stören? Wer bist du, dass du unsere heiligen Geschäfte störst?“ Die Juden regten sich über ein paar umgeworfene Tische auf. Aber war Jesus wirklich besorgt über ein paar Geldwechsler und Opfertiere? Ist das der Grund, warum Jesus vom Eifer für das Haus seines Vaters erfüllt ist? Lehrt Jesus seine Jünger hier wirklich, keine Dinge in der Kirche zu verkaufen, also keinen Kuchenbasar oder Spendenaktionen in seiner Kirche zu veranstalten? Oder geht hier noch etwas anderes vor sich?

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3. Advent 2020 – Unser Bekenntnis: Christus allein rettet dich!

Wisst ihr was ein Helferkomplex ist? Darunter leidet ein Mensch, der anderen Menschen unbedingt helfen will, ob sie seine Hilfe nun wollen oder nicht, ob sie sie brauchen oder nicht, ob er in der Lage ist zu helfen oder nicht. Dabei überschreitet ein solcher Mensch alle Grenzen. Dafür vernachlässigt er Freunde und Familie, ruiniert – wenn es sein muss – sein Leben, seine Gesundheit und seine Finanzen.

Er ist so sehr davon überzeugt, dass die anderen seine Hilfe brauchen und dass er allein helfen kann, dass es im Englischen dafür sogar den Ausdruck eines Messias- oder Retterkomplexes gibt. „Wer, wenn nicht ich, kann und muss dich oder die Welt, retten.“

In unserem heutigen Predigttext wird uns einmal mehr Johannes der Täufer vor Augen gestellt. Aber auch hier steht wieder Jesus im Mittelpunkt. Er ist unser Heiland. Er ist unser Retter. Und gerade in dieser Zeit, in der sich so viele Hoffnung und Sehnsüchte auf Menschen richten, wo es Punkte gibt, an denen wir denken, wir müssten die Welt oder wenigstens unser kleines Fleckchen davon retten, ist es wichtig unseren Kompass neu ausrichten zu lassen.

Adventszeit ist Vorbereitungszeit. Unser Herr kommt! Er kommt täglich in seinem Wort, um dich zu retten. Er wird wiederkommen, um die ganze Welt – die er am Kreuz gerettet hat – endgültig zu retten. Und so wollen wir unsere Stimmen erheben und mit unseren Worten und unserem Leben in das Bekenntnis des Täufers mit einstimmen: Christus allein rettet dich.

1. Unser Bekenntnis vor Gott und der Welt lautet: Wir sind nicht der Christus.

2. Unser Bekenntnis vor Gott und der Welt lautet: Jesus ist der Christus.

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Trinitatisfest: Die heilige Dreieinigkeit

Heute feiern wir gemeinsam das Trinitatisfest. Wir feiern am Ende und Abschluss der ersten, festlicheren Hälfte des Kirchenjahres, dass der eine Gott sich uns in drei Personen offenbart hat: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir wohl zugeben, dass uns diese Aussage der Heiligen Schrift eher Kopfzerbrechen bereitet.

Doch wie alles in der Bibel ist auch diese Aussage zu unserem Trost und unserer Freude offenbart worden. Lasst uns deshalb gemeinsam darüber nachdenken: Der dreieinige Gott lässt sich von uns erkennen.

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Pfingstmontag: Die Ausgießung des Heiligen Geistes 2019

Es ist jedes Jahr dasselbe und doch jedes Mal wieder erstaunlich: im Frühjahr zu beobachten, wie die Schöpfung erwacht. Innerhalb weniger Wochen werden kahle Bäume grün, füllen sich bisher leere Felder mit Pflanzen und Blumen. Regen und Sonne verwandeln die Welt um uns herum. Und wir freuen uns, dass alles grünt und blüht. Doch wenn aus Blüten keine Früchte werden, hilft uns die ganze Pracht nichts. Die schönste Raps-, Kartoffel- oder Kirschblüte, bringt uns außer Freude über ihren Anblick nichts, wenn daraus nicht doch schließlich Früchte werden. Nicht die Blüte macht uns satt, sondern die Früchte, die wir am Ende des Sommers zu ernten hoffen.

Weil es in unserem Glaubensleben ganz ähnlich ist, verwendet Jesus dieses Bild immer wieder. Das 15. Kapitel bei Johannes redet vom Weinstock und seinen Reben. Wir sind die Reben am Weinstock, die letztlich Früchte bringen, die Trauben. Jesus ist der Weinstock, an dem wir wachsen. Am zweiten Tag des Pfingstfestes wollen wir darüber einmal nachdenken. Zu Pfingsten denken wir daran, dass wir den Heiligen Geist mit seinen Gaben geschenkt bekommen.

Er gibt uns den Glauben mit allem, was dazugehört. Das könnte man mit einer Blüte vergleichen. Aber auch hier gilt, die schönste Blüte taugt letztlich gar nichts, wenn sich daraus nicht Früchte entwickeln. Wenn wir den Geist haben, ihn aber im Laufe unseres Lebens wieder verlieren, was nützt es uns dann? Wir brauchen die Hilfe des Heiligen Geistes, um im Glauben zu bleiben, zu wachsen und Früchte zu bringen. Jesus zeigt uns in unserem Text, wie es aussieht, wenn wir Früchte bringen. Er ruft uns zu: Haltet fest an mir, durch die Hilfe des Heiligen Geistes!

1. Bleibt in meiner Liebe!

2. Schmeckt meine Freude!

3. Seid meine Freunde!

4. Tragt meine Früchte!

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