Sermons

1. Sonntag nach Trinitatis: Kinder und Erben.

Vorher-Nachher-Bilder kennen wir aus der Werbung: ein schmutziges Hemd neben einem strahlend weißen, ein dicker Mann neben einem schlanken; ein schmutziges, verdrecktes Auto, neben einem, das funkelt als wäre es gerade frisch vom Band gelaufen. Wozu das alles? Diese Bilder sollen uns von der Qualität des beworbenen Produktes überzeugen.

In gewisser Weise könnte man dieses Vorher-Nachher-Bild auch für den Galaterbrief und andere Teile der Bibel übernehmen, denn Gott zeigt uns durch Paulus, wie es vor unserer Taufe um uns bestellt war und wie wir hinterher dastehen. Warum? Damit wir die große Veränderung wahrnehmen, die Gott in unserem Leben bewirkt hat. Der Apostel sagt, dass wir jetzt, durch den Glauben an Gottes Verheißung und unsere Taufe auf Christus, „Kinder und Erben“ sind.

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Kantate – „Singet dem Herrn“ – Eine ganz neue Welt

„Die neue Welt“, das war einst die Bezeichnung für Amerika, diesen „neuen“ Kontinent, den Kolumbus nach dem Isländer Leif Eriksson zum zweiten Mal entdeckte. Von einer „neuen Welt“ träumen Menschen auch heute: eine Welt ohne Krieg, ohne Hunger, mit Leben und Gesundheit für alle, eine saubere Welt, ohne Verschmutzung. Doch trotz aller Fortschritte scheint dieser Traum in immer größere Ferne zu verschwinden, weil unsere Welt immer wieder in dieselben alten Verhaltensmuster fällt: Gier, Machtstreben, Stolz.

Also ist das alles nur ein Traum? „Nein!“, ruft uns der Apostel Johannes zu, dem Gott im letzten Buch der Bibel viele wunderbare Visionen gegeben hat, mit denen er das Ende der Geschichte sehen durfte und auch die neue Welt, auf die wir uns freuen dürfen. Ja, eine ganz neue Welt. Einen neuen Himmel, eine neue Erde, ein neues Jerusalem. Und der, der auf dem Thron sitzt, sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ In den letzten beiden Kapiteln der Bibel bekommen wir einen Eindruck davon, wohin das alles führen wird. Und es ist neu, und es ist herrlich, und es ist etwas, auf das wir uns sehnlichst freuen.

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Jubilate – „Jauchzet dem Herrn“ – Der Löwe aus Juda; das Lamm, das geschlachtet wurde

Was für eine verrückte Welt! Hat hier jemand das Ruder in der Hand? Oder scheint es nicht so, als gerate diese Welt endgültig außer Kontrolle. Nach zwei Jahren Verunsicherung und Panik wegen eines Virus schien sich langsam alles zu normalisieren. Doch seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine steht alles Kopf. Was gestern noch gut und richtig zu sein schien, gilt heute nicht mehr. Viele fürchten einen dritten Weltkrieg und das Leben, wie wir es bisher kannten scheint zu Ende zu sein.

Aber auch im kleineren Maßstab scheint diese Welt verrückt zu spielen. Männer gewinnen Schwimmwettbewerbe für Frauen. Und in der Wirtschaft, da steigen die Preise, Güter werden knapp. Mancher Supermarkt sieht – zumindest bei manchen Sachen – aus wie zuletzt vor über 30 Jahren. Anstellen, hoffen, dass man noch etwas abbekommt und sei es so etwas einfaches wie Öl oder Mehl. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hat die Inflation gleichzeitig den höchsten Stand seit 40 Jahren erreicht. Mancher mag schon gar nicht mehr auf die Preistafel an der Tankstelle schauen und auch im Einkaufswagen im Supermarkt ist bei weitem nicht mehr das zu finden, was noch vor wenigen Monaten für dasselbe Geld drinnen lag.

Und dann ist da noch das, was mit der Kirche passiert. Sie wird von einem Skandal nach dem anderen erschüttert. An vielen Stellen klingt sie eher wie eine politische Partei. Die Zahl der Kirchenmitglieder und der Kirchenbesucher ist im ganzen Land stark rückläufig. Der Anteil der Menschen, die sich als Christen bezeichnen, ist in den letzten zehn bis zwanzig Jahren dramatisch gesunken. Wir werden zu einem säkularisierten Land, das sein christliches Erbe hinter sich lässt. Und in den Teilen der Welt, in denen das Christentum wächst, leiden unsere Brüder und Schwestern unter teils schrecklicher Verfolgung.

Wenn wir mit diesen Situationen konfrontiert werden – es sei denn, wir stecken den Kopf in den Sand und wissen nicht, was in der Welt vor sich geht –, könnten wir versucht sein, zu verzweifeln und die Hoffnung zu verlieren. Wir sehen uns die Welt an und sagen: „Was ist hier eigentlich los? Hat hier jemand das Sagen?“ Unsere Gegenwart ist ziemlich schlecht, und es sieht nicht so aus, als gäbe es Hoffnung für die Zukunft.

Unser heutiger Predigttext möchte uns trösten und neuen Mut schenken. Denn es gibt Hoffnung für die Zukunft. Es gibt jemanden, der das Sagen hat. Die Geschichte hat ein Ziel, und es ist ein gutes. Ich meine damit, dass die Geschichte der Zukunft bereits geschrieben worden ist. Sie ist wie eine Schriftrolle, die entrollt werden muss. Und die gute Nachricht ist, dass jemand gefunden wurde, der würdig ist, diese Schriftrolle zu öffnen. So offenbart er uns den Verlauf der Ereignisse und ihren endgültigen Ausgang. Er offenbart sie nicht nur, sondern er ist für sie verantwortlich. Wir begegnen diesem Jemand in unserer heutigen Lesung aus Offenbarung 5: „Der Löwe von Juda, das Lamm, das geschlachtet wurde“.

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Miserikordias Domini – „Die Güte des Herrn“ – Ostern gibt unserem Leben einen neuen Sinn

Welches Ziel, welchen Sinn hat mein Leben? Das sind Fragen, die wir uns vielleicht auch schon einmal gestellt haben oder die von anderen an uns herangetragen wurden. Schon mancher Mensch ist daran zerbrochen. Gerade wenn es im Leben nicht so gut läuft, stellt sich die Frage: Hat das alles überhaupt noch einen Sinn? Nicht wenige Menschen beantworten diese Frage für sich mit einem lauten und deutlichen: „Nein!“ und versinken dann in Depression oder nehmen sich das Leben.

Auch für uns als Christen, als Kinder Gottes, die seine Liebe am eigenen Leib und im eigenen Leben erfahren haben, scheint nicht immer die Sonne. Wir erleben schwere Zeiten, müssen durch dunkle Täler gehen. Ja, unser Heiland sagt uns in seinem Wort an verschiedenen Stellen, dass wir in der Welt Angst haben werden, dass jeder von uns, der ihm nachfolgen will, sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen muss. Wir haben aber auch Zusagen, dass wir nicht allein sein werden, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist.

Ein sehr anschauliches Bild, dass Gott gebraucht, um uns den Sinn und das Ziel unseres Lebens deutlich zu machen, ist das Bild des Hirten. Dieser Vergleich eines Schafhirten mit Gott, zieht sich wie ein roter Faden durch die Heilige Schrift. Die bekanntesten Texte zu diesem Thema trägt unser heutiger Sonntag zusammen, der genau deswegen den Namen „Hirtensonntag“ trägt. Der schönste alttestamentliche Text stammt aus der Feder des Königs David und beginnt mit den Worten: „Der Herr ist mein Hirte.“

Lasst uns heute über einen Teil dieses Psalms nachdenken und uns trösten lassen, wenn wir voller Angst, voller Zweifel, angefochten, niedergeschlagen fragen: welchen Sinn hat mein Leben? Gott antwortet uns: Ostern gibt unserem Leben einen neuen Sinn.

1. Unser guter Hirte geht mit uns.

2. Wir werden für immer bei ihm zu Hause sein.

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