Sermons on “Erbarmen”

4. Advent 2020 – Wir belauschen das Gespräch zwischen Gabriel und Maria

Unser Leben ist voller Gespräche. Jeden Tag reden wir mit Familienmitgliedern und Freunden, mit Arbeitskollegen und Nachbarn, Klassen- und Spielkameraden. Die Themen, um die es dabei geht, sind meistens vorhersehbar. Wir reden über das Wetter, über unsere Kinder, Enkel oder Urenkel. Es geht um die Arbeit, die Schule oder um die Politik. Auch die Gesundheit ist immer ein Thema. Heute würden wir wohl Corona, Weihnachtspläne und Ausgangssperren hinzufügen. Die meisten dieser Gespräche haben eines gemeinsam, schon am nächsten Tag erinnern wir uns höchstens noch daran, dass wir sie geführt haben, wissen aber längst nicht mehr, worum es dabei eigentlich ging.

Doch es gibt auch andere Gespräche; Gespräche, an die wir uns sehr wohl erinnern, die sich in unser Gedächtnis eingebrannt haben. Das letzte Gespräch mit unserem Vater oder unserer Mutter, vor ihrem Tod. Das lange Gespräch mit deinem zukünftigen Ehepartner, ehe er oder sie ja gesagt hat. Es gibt Gespräche, die dazu geführt haben, dass jemand noch einmal einen völlig neuen Beruf erlernt oder ein Studium begonnen hat; die Wahl unseres Wohnortes oder der Name unseres Kindes. Diese Art von Gesprächen bleibt uns im Gedächtnis. Wir könnten sie nicht einmal dann vergessen, wenn wir es wöllten. Sie haben unser Leben für immer verändert.

Im Mittelpunkt unserer heutigen Predigt steht ebenfalls ein Gespräch und ganz sicher gehört es zur zweiten Art, der Art von Gesprächen, die sich dem Gedächtnis einprägen. Hier ist ein einfaches Mädchen vom Land, ein Teenager, im Gespräch mit einem mächtigen Boten Gottes. Und der Evangelist Lukas, berichtet am Anfang seines Buches, dass er genau nachgeforscht hat über die Ereignisse, von denen er berichtet. So hat er sicher auch mit Maria gesprochen, die ihm von diesem Gespräch berichtet hat. Lasst uns dieses Gespräch belauschen, das Gespräch zwischen dem Engel Gabriel und der Jungfrau Maria.

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1. Advent 2020 – Reserviert für den König.

„Ein gesegnetes neues Jahr!“ wünsche ich Euch. Nein, ich habe nicht aus Versehen den Anfang einer falschen Predigt hierher kopiert, einer Neujahrspredigt. Heute ist zwar erst der 29. November, aber wir feiern trotzdem „Neujahr“! Denn wir beginnen heute ein neues Kirchenjahr.
Weil heute der 1. Sonntag in der Adventszeit ist, beginnt dieses neue Jahr, das wir auch das „Jahr des Herrn“ nennen. Und jedes Jahr an diesem Sonntag hören wir das einzige Evangelium im Verlauf dieses Jahres, dass später noch einmal auftauchen wird, am Palmsonntag: „Der Einzug Jesu in Jerusalem.“
Ist das nicht eigenartig? Wieso hat die Kirche ausgerechnet in der Adventszeit, vier Wochen vor Weihnachten, eine Lesung gewählt, die uns mitnimmt an den Anfang der Karwoche, die im Karfreitag und Ostersonntag gipfelt, der Kreuzigung und Auferstehung Jesu?
Doch genau darum geht es. So wird gleich am Anfang deutlich, worum es im Kirchenjahr geht. Das Zentrum, die Mitte ist das, was uns zum Kreuz und zum leeren Grab führt. Dazu kam Jesus in die Welt, er wurde als Mensch geboren, um zu sterben und auferweckt zu werden – für dich und mich. Er wollte den Sieg über Sünde, Tod und Teufel erringen, den wir so dringend brauchten und der heutige Sonntag richtet sofort den Blick darauf.

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8. Sonntag nach Trinitatis 2020 – Gott gibt uns nicht auf

Manchmal sind schlechte Nachrichten schlimmer als das Böse, von dem sie uns berichten. Vielleicht kennen sie das auch, wenn eine Nachricht nach der anderen hereinkommt und jede ist schlimmer als die letzte, oder fühlt sich zumindest so an, einfach, weil wir uns so sehr gute Nachrichten wünschen, aber es kommen einfach nur noch mehr schlechte.

Das macht auch die – sprichwörtlich gewordenen – Hiobsbotschaften so furchtbar. Abgesehen von ihrem Inhalt ist schon die Tatsache, das eine unmittelbar auf die andere folgt, so schrecklich. Hiob hätte sich wohl nichts sehnlicher gewünscht als eine gute Nachricht oder wenigstens eine Pause von den schlechten Nachrichten. Doch unaufhaltsam folgte eine Katastrophe auf die nächste.

Ganz ähnlich geht es uns, wenn wir die Berichte über die Plagen in Ägypten hören. Auch wenn wir nicht direkt betroffen sind, ist doch diese scheinbar nie endende Folge von Katastrophen und schlechten Nachrichten ermüdend. Wir fühlen uns wie ein Marathonläufer – am Ende unserer Kräfte – aber noch nicht am Ende der Strecke, angekommen. Doch genau darin liegt auch eine Absicht, und eine Erkenntnis, wie hart das menschliche Herz ist, wie lange es dauert, bis Pharao nachgeben muss – und zugleich dürfen wir hier auch Gottes Gnade und Liebe erkennen. Gott gibt uns nicht auf!

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2. Sonntag nach Ostern: Miserikordias Domini – „Die Güte des Herrn“ – 2020: Der auferstandene Heiland gibt dir seine Gaben.

Vielleicht kennen sie die Werbung um ein bestimmtes Ei, wo Kinder ihre Mutter um ein Mitbringsel vom Einkauf bitten: »Etwas Spannendes, etwas zum Spielen UND Schokolade.« Und dann folgt die Antwort: »Drei Dinge auf einmal, das geht nun wirklich nicht.« Doch beim Einkaufen entdeckt die Mutter dann besagtes Ei, denkt an ihre Kinder daheim, und kann ihnen ihre drei Wünsche doch noch erfüllen.

Der 23. Psalm ist auch so eine Art Osterei. Und er enthält nicht nur drei, sondern sogar vier Gaben, die wir zu Ostern bekommen. Der Psalm nutzt dabei Bilder aus dem alltäglichen Leben im Alten Testament, um uns zu zeigen, was wir als Christen bekommen. Das wollen wir heute gemeinsam betrachten: Der auferstandene Heiland gibt dir seine Gaben.

1. Er ist dein Hirte.

2. Er ist dein Weggefährte.

3. Er ist dein Gastgeber.

4. Er ist dein Zuhause.

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3. Sonntag in der Passionszeit – Okuli – „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“ – 2020: Seht die herrliche Gnade Gottes für uns Sünder!

Heute feiern wir den Sonntag Okuli: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“, so haben wir es im heutigen Eingangspsalm gesungen. Doch da gibt es ein Problem. Unsere Augen in dieser Welt sind getrübt. Oft scheint das, was wir sehen, erleben und erfahren, nicht zu dem zu passen, was Gott uns verspricht. Oft verstehen wir auch nicht, was wir sehen.

Deshalb ist es nötig, dass wir immer wieder lernen, unseren Augen zu schließen und mit unseren Ohren zu hören. Es ist nötig, dass wir immer wieder lernen, dass Gott anders ist und denkt als wir. Gott ist Gnade, und diese Gnade übersteigt unseren menschlichen Verstand. So wollen wir uns heute einmal mehr die Augen für Gottes Gnade öffnen und uns trösten lassen. Wir betrachten heute: Die herrliche Gnade Gottes für Sünder.

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20. Sonntag nach Trinitatis 2019: Warum gibt Gott sich mit den falschen Leuten ab?

Warum gibt sich Gott mit den falschen Leuten ab? – Wie ich auf diese Frage komme? Nun, wenn wir die Evangelien lesen, dann fällt uns recht schnell auf, dass Jesus in kein Schema passte. Viele ärgerten sich über ihn, über seine Worte oder über seine Taten. Sie ärgerten sich, wenn er den Mund aufmachte oder wenn er schwieg. Sie ärgerten sich, wenn er Wunder tat, und wenn er keine tat.

Stellen wir uns einmal vor, Jesus hätte – wie berühmte Leute und Politiker heute – eine Pressestelle gehabt mit einem Pressesprecher und Mitarbeitern, die ihn gegenüber der Öffentlichkeit und der Presse vertreten hätten. Jeder Tag mit der Aufgabe Leiter der Pressestelle von Jesus zu sein, wäre teilweise eine Komödie, teilweise ein Albtraum gewesen. Dieser Mann war ohne jedes Gespür für Politik und deren Sprache auf die Welt gekommen.

Da war zuallererst die Auswahl seiner Freunde, die es zu bemängeln galt. Einschlägiges Beispiel: die Juden verachteten, ja hassten, die geldgierigen, hinterhältigen, verräterischen Steuerschwindler, aber Jesus geht einfach zu einem dieser Verräter hin und sagt: „Folge mir nach!“ Er hieß einen Zeloten in seinem innersten Kreis willkommen, obwohl diese Typen das antike Gegenstück zu einheimischen Terroristen bildeten. Er hatte Umgang mit einer Frau aus dem Prostitutionsgewerbe, mit samaritischen Irrlehrern, aussätzigen Ausgestoßenen und anderen Schurken der Gesellschaft. „Wenn du dich mit Hunden abgibst, brauchst du dich nicht zu wundern, wenn du Flöhe bekommst.“ Wenn diese Aussage richtig ist, dann muss Jesus über und über mit Flöhen bedeckt gewesen sein. Vielen hätten ihren Eindruck von Jesus wohl mit dem folgenden Sprichwort zusammengefasst: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“

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14. Sonntag nach Trinitatis

Im Hebräerbrief stehen die Worte: „Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“ (Hebr 9,27). Jeder Geburtstag bringt uns dem Tag unseres Todes einen Schritt näher. Und schließlich verlischt unser Lebenslicht, wenn wir unseren letzten Atemzug tun. Es ist der Punkt ohne Wiederkehr. Aber eigentlich ist er kein Punkt, der Tod, meine ich, denn Tag für Tag, Stunde um Stunde, Augenblick für Augenblick sterben wir ständig oder Stück für Stück.

Selbst eine kleine Erkältung erinnert uns daran, dass unser sterblicher Leib eines Tages kalt in der Erde liegen wird. Die Tage unseres Lebens – sie zählen 70 Jahre oder manchmal auch 80 Jahre – und wir kennen den ein oder anderen, dem ein noch längeres Leben geschenkt wurde. Aber wir wissen auch, wie diese Worte Moses weitergehen:

Ps 90,10: „…und wenn es köstlich gewesen ist, dann ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es eilt schnell dahin, als flögen wir davon.“

Die Tage unseres Lebens, sie vergehen wie im Flug. Wir fliegen zum Richterstuhl Gottes. Dort müssen wir vor dem Einen erscheinen, der alles weiß, vor dem nichts verborgen ist: keine Tat, auch wenn wir ganz allein waren, als wir sie begangen haben; kein Wort, auch wenn kein menschliches Ohr es gehört hat; ja, nicht einmal die Gedanken, die wir sorgfältig vor anderen Menschen verbergen. Unser ganzes Leben liegt wie ein aufgeschlagenes Buch vor dem, der alles weiß. Meinen wir wirklich, dass wir vor ihm irgendetwas verbergen könnten?

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16. Sonntag nach Trinitatis 2018

Wofür beten wir? Für wen beten wir? Nun, ganz natürlicherweise, dreht sich ein Großteil unserer Gebete wohl um uns selbst: unsere Sorgen, Nöte, Freuden, Anliegen, unsere Familien, Freunde, Nachbarn und unser Alltag. Doch das gibt es auch noch einen anderen Bereich, die Fürbitte: das sind die Bitten, die wir für andere Menschen sprechen, z. T. auch uns persönlich völlig unbekannte Menschen, wie wir es zumindest jeden Sonntag im allgemeinen Kirchengebet tun. Dort beten wir für die ganze Christenheit, aber auch alle Menschen in unserem Land.

Ein solches Gebet finden wir auch in unserem heutigen Predigttext. Der Apostel Paulus betet, zunächst für die Christen in Ephesus, dann aber für alle Christen, auch für uns. Wie jedes Gebet, so verfolgt auch dieses Gebet einen bestimmten Zweck. Auf den ersten Blick erscheint es sehr einfach zu sein. Es geht Paulus um unsere Erkenntnis. Wir sollen etwas erkennen, etwas wissen, nämlich die Liebe unseres Herrn Jesus Christus. Das passt ja zu uns, denn darum soll es ja gehen, auch heute, hier an diesem Sonntag. Das passt zu uns, soweit so gut – wenn wir direkt zu V. 19 springen.
Doch das werden wir nicht tun, sondern wenigstens etwas Zeit mit den Versen vorher zubringen, bis wir zu V. 19 kommen. Und wenn wir das tun, hören wir eine Einladung des Apostels Paulus.

1. Sie beinhaltet Erfahrung, die uns demütig werden lässt.

2. Sie lässt uns ein großartiges Geschenk empfangen.

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2. Sonntag in der Passionszeit 2018: Reminiszere – Gedenke, Herr

„Man lernt nie aus!“ Diese Feststellung haben wir alle schon öfter machen müssen. Wir leben in einer Umwelt, die ständig im Fluss ist. In rasender Ge-schwindigkeit verändern sich Menschen und Dinge, mit denen wir regelmäßig zu tun haben. Deshalb ist es wichtig, zu lernen und sich weiterzubilden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Gerade wenn man noch arbeiten geht, ist es unbedingt notwendig, nicht auf der Stelle zu treten, sondern mit der rasch voranschreitenden Entwicklung Schritt zu halten. Doch auch im privaten Bereich ist es besser, wenn wir uns zumindest mit Grundbegriffen der modernen Technik auskennen und sei es nur, damit wir wissen, wie wir den Fernseher sperren können, wenn die Enkel zu Besuch kommen.

Auch wir Christen sollen nicht stillstehen. Nun weiß jeder von uns, wenn er ehrlich ist, ganz genau, dass es in unserem Leben viele Verbesserungsmöglichkei-ten gibt. Vieles läuft nicht so, wie Gott das von uns erwartet. Dieses neue Leben, das wir gern nach Got-tes Geboten ausrichten wollen, nennt die Bibel „Hei-ligung“. Am Ende des ersten Thessalonicherbriefes ermuntert Paulus uns dazu, in der Heiligung immer vollkommener zu werden. In den Versen vor unse-rem Text hatte Paulus für die Christen in Thessalo-nich gebeten:

1. Thess 3,12f: „Euch aber lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu je-dermann, wie auch wir sie zu euch ha-ben, damit eure Herzen gestärkt werden und untadelig seien in Heiligkeit vor Gott, unserm Vater, wenn unser Herr Jesus kommt mit allen seinen Heiligen.“

Weil wir als Christen vor Gott heilig und rein sein sol-len, ist diese Ermahnung des Apostels Paulus auch für uns so wichtig. Lasst uns deshalb heute gemein-sam betrachten: Lasst uns wachsen in der Heili-gung…

1. …weil Gott sich über uns erbarmt.

2. …weil wir Gottes Willen kennen.

3. …weil Gott Sünde rächen will.

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